Shanghai ist der Hafen, an dem viele Asien-Kreuzfahrten kulminieren – eine Stadt mit über 24 Millionen Einwohnern, in der historische Kolonialfassaden direkt neben Wolkenkratzern stehen, die erst vor 30 Jahren aus Reisfeldern wuchsen. Anders als in vielen anderen asiatischen Häfen liegt das Kreuzfahrtterminal nicht mitten in der Stadt, sondern rund 25 Kilometer nördlich davon – wer einen Tag Zeit hat, braucht also einen Plan, keine Improvisation. Wer ihn hat, bekommt dafür mit Bund, Yu-Garten und French Concession drei völlig unterschiedliche Gesichter einer Stadt, die sich in kaum einem anderen Hafen Asiens so kompakt erleben lassen.
Ankommen: Wusongkou International Cruise Terminal
Kreuzfahrtschiffe legen am Wusongkou International Cruise Terminal im Stadtteil Baoshan an, einem reinen Pier-Anleger ohne Tenderboot, aber mit spürbarer Distanz zur Innenstadt: Bund und Volksplatz liegen rund 25 Kilometer entfernt, die Fahrt dauert je nach Verkehr 45 bis 60 Minuten.
Am Terminal verkehrt meist ein kostenloser Shuttlebus zur Metrostation Baoyang Road (Linie 3), Fahrzeit etwa 15 Minuten; von dort geht es mit der U-Bahn weiter Richtung Innenstadt (mehrfaches Umsteigen nötig, Gesamtfahrzeit bis zum Bund rund 60–75 Minuten). Für alle, die den direkten Weg bevorzugen, warten am Terminal reguläre Taxis: Eine Fahrt bis in die Innenstadt/zum Bund kostet üblicherweise 80–110 CNY (ca. 10–14 €) und ist bei mehreren Personen meist die entspanntere Wahl gegenüber Shuttle-plus-Metro. Zur Orientierung: 1 € entsprach zuletzt rund 7,8 CNY (Kurs schwankt, Richtwert für die Reisekasse). Wichtig: Da die öffentliche Anbindung ans Terminal begrenzt ist, sollte die Rückfahrt zeitlich großzügig geplant werden – ein Taxi zurück zum Pier lässt sich meist über Ride-Hailing-Apps oder die Rezeption größerer Hotels organisieren, spontan direkt am Terminal ist das Angebot dünner.
Shanghai auf eigene Faust: Dein Tag in 8–9 Stunden
Vormittag: Der Bund & Nanjing Road (2–2,5 Stunden)
Der Bund (Wàitān), die knapp 1,5 Kilometer lange Uferpromenade am Huangpu-Fluss, ist der klassische Startpunkt: Auf der einen Flussseite reiht sich eine Front kolonialer Bankgebäude aus den 1920er- und 30er-Jahren, auf der anderen glänzt die futuristische Skyline von Pudong mit dem raketenähnlichen Oriental Pearl Tower und dem Shanghai Tower, mit 632 Metern eines der höchsten Gebäude der Welt. Der Spaziergang selbst ist kostenlos und lohnt sich zu jeder Tageszeit – am eindrücklichsten aber in der beginnenden Dämmerung, wenn beide Skylines beleuchtet sind.
Vom südlichen Ende des Bund führt die Fußgängerzone Nanjing Road rund zwei Kilometer landeinwärts bis zum Volksplatz (People's Square) – Shanghais belebteste Einkaufsstraße, gesäumt von Leuchtreklamen, Kaufhäusern und Straßenständen. Eine kleine Touristenbahn verkehrt für wenige CNY über die gesamte Strecke, wer Zeit hat, geht die 25–30 Minuten aber besser zu Fuß.
Mittag: Yu-Garten & Altstadt (2–2,5 Stunden)
Vom Bund sind es zu Fuß oder mit kurzer Taxifahrt (10–15 Minuten) zum Yu-Garten (Yùyuán), einer im 16. Jahrhundert angelegten Ming-Dynastie-Gartenanlage mit Teichen, Pavillons und kunstvoll aufgetürmten Felsformationen mitten in der Altstadt. Eintritt 40 CNY (ca. 5 €), geöffnet meist 8:30–17:00 Uhr – rechne mit 45–60 Minuten für den eigentlichen Garten.

Direkt angrenzend liegt das gleichnamige Basarviertel, ein dicht bebautes Areal mit geschwungenen Ziegeldächern, in dem sich Souvenirläden, Teehäuser und Garküchen aneinanderreihen – ein guter Ort für ein Mittagessen mit Xiaolongbao (Suppenteigtaschen), Shanghais bekanntester Spezialität, ab etwa 20–35 CNY (ca. 2,50–4,50 €) pro Portion. Die engen Gassen sind an Wochenenden und Feiertagen stark frequentiert – wer es ruhiger mag, plant den Besuch möglichst früh am Mittag.
Nachmittag: French Concession (2–2,5 Stunden)
Für den Nachmittag lohnt sich eine Taxifahrt (15–20 Minuten) in die French Concession, das ehemalige französische Konzessionsgebiet mit platanengesäumten Alleen, Art-déco-Villen und ruhigeren, grüneren Straßen als im Rest der Innenstadt. Besonders Tianzifang, ein Labyrinth aus umgebauten Shikumen-Wohnhäusern mit kleinen Galerien, Cafés und Design-Läden, und die Einkaufsmeile Xintiandi mit ihren restaurierten Steintor-Häusern zeigen ein deutlich entspannteres Shanghai als der trubelige Bund. Beide Viertel sind autofrei und kostenlos begehbar, ideal für einen ausklingenden Bummel mit Kaffeepause.
Von dort geht es mit dem Taxi zurück zum Terminal in Baoshan – bei Nachmittagsverkehr realistisch 45–60 Minuten, entsprechend früh sollte der Rückweg angetreten werden.
Top-Erlebnisse im Überblick
| Erlebnis | Zeitbedarf | Kosten |
|---|---|---|
| Bund-Promenade | 45–60 Min. | kostenlos |
| Nanjing Road | 25–30 Min. (zu Fuß) | kostenlos |
| Yu-Garten & Basarviertel | 90–120 Min. | 40 CNY (ca. 5 €) |
| French Concession (Tianzifang/Xintiandi) | 90–120 Min. | kostenlos |
| Taxi Terminal ↔ Innenstadt (je Strecke) | 45–60 Min. | 80–110 CNY (ca. 10–14 €) |
Welche Ausflüge lohnen sich, welche nicht?
Shanghai ist trotz der Distanz zum Terminal gut auf eigene Faust zu bewältigen – Taxis sind zuverlässig, vergleichsweise günstig und Ride-Hailing-Apps funktionieren auch für Touristen mit ausländischer Kreditkarte meist zuverlässig. Reederei-Ausflüge zu Bund, Yu-Garten und French Concession (oft 70–100 €) kaufen vor allem Logistiksicherheit und einen deutschsprachigen Guide – für Selbstplaner mit etwas Erfahrung meist verzichtbar. Lohnenswert gebucht ist dagegen eine Fahrt mit dem Transrapid (Maglev) zwischen Longyang Road und dem Flughafen Pudong: Mit bis zu 430 km/h ist sie zwar kein Umweg auf dem Weg vom Terminal, aber als eigenständiges Erlebnis für Technikinteressierte einen kurzen Abstecher wert (Einzelfahrt ab 50 CNY, ca. 6,50 €, Fahrzeit nur 8 Minuten) – am ehesten sinnvoll zu kombinieren, wenn du ohnehin über die Metro-Linie 2 in Airport-Nähe unterwegs bist. Reine Stadtrundfahrten mit dem Bus kannst du dir angesichts der guten Taxi-Verfügbarkeit meist sparen.
Praktisches für deinen Tag in Shanghai
- Währung: Chinesischer Renminbi/Yuan (CNY), 1 € ≈ 7,8 CNY (Richtwert, Kurs schwankt). Kartenzahlung ist eingeschränkter als in Japan oder Singapur – viele Läden und Garküchen laufen fast ausschließlich über chinesische Zahlungs-Apps (Alipay/WeChat Pay), die für Kurzbesucher ohne chinesisches Bankkonto nicht immer nutzbar sind. Ausreichend Bargeld einplanen, größere Hotels und Ketten akzeptieren meist internationale Kreditkarten.
- Sprache: Mandarin dominiert, Englischkenntnisse sind in touristischen Vierteln wie Bund oder French Concession meist ausreichend, abseits davon deutlich geringer. Eine Übersetzungs-App ist hilfreich, gängige internationale Kartendienste funktionieren in China nur eingeschränkt – vorab eine lokal funktionierende Karten-App oder Offline-Karte einrichten.
- Trinkgeld: In China unüblich, weder im Restaurant noch im Taxi wird aufgerundet. Mehr zum Umgang mit Bargeld unterwegs im Ratgeber Geld & Bezahlen an Bord und Land.
- Sicherheit: Shanghai gilt als eine der sichersten Großstädte Asiens, Kriminalität gegenüber Touristen ist ein Randthema. Übliche Reisevorsicht (Verkehr, belebte Plätze) genügt.
- Beste Reisezeit: Frühling (März–Mai) und Herbst (September–November) sind mit 15–25 °C am angenehmsten. Der Sommer (Juni–August) bringt hohe Luftfeuchtigkeit und teils über 35 °C, dazu gelegentliche Taifun-Ausläufer.
- Einreise: Für deutsche Staatsangehörige ist die Einreise nach China für touristische Kurzaufenthalte inzwischen visumfrei möglich (Stand 2026, gültig bis Ende 2026, Reisepass muss bei Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein) – verbindlich sind die aktuellen Bestimmungen der chinesischen Behörden, da sich Visaregelungen kurzfristig ändern können. Was du an Reisedokumenten grundsätzlich dabeihaben solltest, erklärt der Ratgeber Reisedokumente: Pass, Visa & ESTA.
Fazit
Shanghai verlangt mehr Planung als die meisten anderen Häfen der Region – aber wer die knapp einstündige Distanz vom Terminal einkalkuliert, bekommt mit Bund, Yu-Garten und French Concession drei Shanghais in einem Tag: das koloniale, das traditionell-chinesische und das gemütlich-europäische. Wer noch unentschlossen ist, welche Häfen der Region ins Reiseprogramm passen, findet einen Überblick auf unserer Seite zu Asien & Fernost – dort steht auch der Guide zu Hongkong, Chinas anderer großer Kreuzfahrtmetropole.













