Keelung ist der Hafen, über den die meisten Kreuzfahrtgäste Taiwan zum ersten Mal betreten – und gleichzeitig einer der unterschätztesten der Region. Die Hafenstadt selbst, eingerahmt von grünen Hügeln und bekannt für ihren riesigen Nachtmarkt, ist in ein, zwei Stunden erkundet. Ihr eigentlicher Trumpf liegt aber woanders: Von keinem anderen asiatischen Kreuzfahrthafen aus ist eine Millionenmetropole so schnell und so günstig mit dem Zug erreichbar wie Taipeh von Keelung. Wer will, kombiniert an einem einzigen Hafentag die quirlige Hauptstadt mit dem goldglänzenden Bergdorf Jiufen – zwei völlig unterschiedliche Taiwan-Bilder, ganz ohne Reisebus.
Ankommen: Keelung Cruise Terminal
Kreuzfahrtschiffe legen direkt im Stadtgebiet an, meist am Ost-Pier nahe der Keelung Railway Station, größere Schiffe gelegentlich am West-Pier auf der gegenüberliegenden Hafenseite (dann mit kurzem Shuttle zur Bahnhofsseite). Vom Terminal sind es zu Fuß nur rund 8–10 Minuten bis zum Bahnhof Keelung – ein flacher, gut ausgeschilderter Weg entlang des Hafenbeckens, vorbei am bunten Uferpark.
Von dort fahren TRA-Regionalzüge im 20- bis 30-Minuten-Takt zum Taipeh-Hauptbahnhof, Fahrzeit rund 40–50 Minuten, Ticketpreis nur NT$ 41–90 (ca. 1,10–2,40 €) je nach Zugtyp – der mit Abstand günstigste und meist auch schnellste Weg in die Hauptstadt, da Straßenverkehr Richtung Taipeh zur Stoßzeit spürbar zäh werden kann. Fahrkarten gibt es am Automaten (Englisch wählbar) oder am Schalter, kontaktloses Bezahlen mit EasyCard (an Automaten im Bahnhof erhältlich) funktioniert ebenfalls und lohnt sich, wenn du in Taipeh zusätzlich die U-Bahn nutzen willst.
Alternativ wartet vor dem Terminal eine Taxi-Reihe: Eine Fahrt bis Taipeh Hauptbahnhof kostet üblicherweise NT$ 1.000–1.300 (ca. 27–35 €) und dauert je nach Verkehr 45–70 Minuten – für Gruppen ab drei Personen eine Überlegung wert, sonst ist der Zug klar günstiger. Zur Orientierung: 1 € entsprach zuletzt rund 37 NT$ (Kurs schwankt, Richtwert für die Reisekasse).
Keelung auf eigene Faust: Dein Tag in 7–9 Stunden
Vormittag: Ab nach Taipeh (Anreise + 3–4 Stunden vor Ort)
Der Klassiker unter den Keelung-Landgängen beginnt mit dem Zug nach Taipeh, den du am besten direkt nach der Ausschiffung nimmst – so bleibt maximal Zeit in der Hauptstadt. In Taipeh selbst lohnt sich die Kombination aus Taipeh 101, mit 508 Metern jahrelang das höchste Gebäude der Welt und noch immer die Landmarke der Stadt (Aussichtsplattform ab NT$ 600, ca. 16 €, geöffnet meist 11:00–21:00 Uhr), und einem Bummel durch die Ximending-Fußgängerzone oder den historischen Longshan-Tempel, einen der ältesten und lebendigsten Tempel der Stadt mit ständigem Weihrauchduft und betenden Gläubigen (kostenloser Eintritt). Die U-Bahn (MRT) verbindet beide Ziele in 15–20 Minuten für wenige NT$.

Wer die Zeit knapper kalkuliert, beschränkt sich auf einen kompakten Rundgang um den Chiang Kai-shek Memorial Hall Park direkt in Bahnhofsnähe – die weiße Gedenkhalle mit blauem Dach und die stündliche Wachablösung sind auch ohne U-Bahn-Fahrt in 15 Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof erreichbar.
Mittag: Zurück Richtung Keelung, Zwischenstopp Jiufen (2,5–3 Stunden)
Statt direkt zurück zum Schiff zu fahren, lohnt sich auf dem Rückweg ein Abstecher ins Bergdorf Jiufen, berühmt für seine schmalen, lampiongesäumten Treppengassen und Teehäuser mit Blick aufs Meer – die Kulisse, die als eine der Inspirationen für den Studio-Ghibli-Film „Chihiros Reise ins Zauberland" gilt (offiziell nie bestätigt, aber Teil der Legende ums Dorf). Ein Taxi vom Bahnhof Keelung nach Jiufen kostet rund NT$ 400–500 (ca. 11–13,50 €) und dauert 30–35 Minuten; günstiger, aber langsamer geht es mit dem Bus 788 ab Bahnhof Keelung (rund 50 Minuten). Für den Rückweg empfiehlt sich dieselbe Route, da Taxis in Jiufen selbst zur Hauptreisezeit knapp werden können.
In den engen Gassen reihen sich Teehäuser, Straßenstände mit Taro-Bällchen und kleine Läden aneinander – ideal für ein spätes Mittagessen unterwegs (Straßenimbiss meist NT$ 50–150, ca. 1,50–4 €). Der bekannteste Blick auf die roten Laternen und das aufsteigende Teehaus A-Mei Tea House liegt an der Haupttreppe Shuqi Road, am schönsten in der beginnenden Dämmerung, wenn die Lampions angehen.
Später Nachmittag: Keelung selbst (1–1,5 Stunden)
Zurück am Hafen bleibt meist noch Zeit für die Stadt Keelung selbst: Der Miaokou-Nachtmarkt, einer der bekanntesten und am längsten geöffneten Nachtmärkte Taiwans, liegt nur 10–15 Gehminuten vom Terminal entfernt und öffnet bereits am späten Nachmittag. Probierbissen wie Tempura-Spieße, Austernomelett oder Taro-Bälle kosten meist NT$ 30–80 (ca. 0,80–2,20 €) pro Portion – ein entspannter, unkomplizierter Ausklang vor dem Einschiffen.
Top-Erlebnisse im Überblick
| Erlebnis | Zeitbedarf (inkl. Anreise) | Kosten |
|---|---|---|
| Zug Keelung–Taipeh (einfach) | 40–50 Min. | NT$ 41–90 (ca. 1,10–2,40 €) |
| Taipeh 101 Aussichtsplattform | 60–90 Min. | ab NT$ 600 (ca. 16 €) |
| Longshan-Tempel | 30–45 Min. | kostenlos |
| Jiufen (Taxi ab Keelung) | 30–35 Min. Fahrt + 90–120 Min. vor Ort | Taxi ca. NT$ 400–500 (ca. 11–13,50 €) |
| Miaokou-Nachtmarkt | 45–60 Min. | kostenlos (Essen extra) |
Welche Ausflüge lohnen sich, welche nicht?
Keelung ist dank der günstigen und zuverlässigen Zugverbindung ein hervorragender Auf-eigene-Faust-Hafen – Taipeh, Jiufen und der Nachtmarkt lassen sich ohne Reederei-Tour verbinden, solange du die Zeitfenster realistisch planst (Taipeh und Jiufen an einem Tag ist machbar, aber straff). Reederei-Ausflüge, die genau diese Ziele anfahren (oft 70–100 €), sparen vor allem Logistik und Wartezeiten – für erfahrene Bahnreisende meist verzichtbar. Sinnvoll gebucht ist dagegen ein Ausflug zum Yehliu Geopark, bekannt für seine bizarren, durch Erosion geformten Felsformationen wie den „Queen's Head", da er weder mit dem Zug noch bequem zu Fuß von Keelung aus erreichbar ist (Bus 791 fährt zwar hin, aber selten getaktet) – ein organisierter Transfer oder eine Taxi-Kombination mit Jiufen spart hier Zeit. Wer wenig Zeit hat, sollte sich auf entweder Taipeh oder Jiufen konzentrieren statt beides zu hetzen – ein entspannter Nachmittag in Jiufen ist einem gehetzten 90-Minuten-Sprint durch Taipeh oft vorzuziehen.
Praktisches für deinen Tag in Keelung
- Währung: Neuer Taiwan-Dollar (TWD/NT$), 1 € ≈ 37 NT$ (Richtwert, Kurs schwankt). Kartenzahlung ist in Taipeh weit verbreitet, in Keelung und auf Märkten oft nur Bargeld – am besten am Geldautomaten im Bahnhof abheben.
- Sprache: Mandarin dominiert, in Taipeh sind Beschilderung und Bahnansagen meist zweisprachig, in Keelung selbst weniger. Eine Übersetzungs-App erleichtert den Nachtmarktbesuch.
- Trinkgeld: In Taiwan unüblich, weder im Restaurant noch im Taxi wird aufgerundet – guter Service ist bereits im Preis enthalten. Mehr zum Umgang mit Bargeld unterwegs im Ratgeber Geld & Bezahlen an Bord und Land.
- Sicherheit: Taiwan zählt zu den sichersten Reisezielen Asiens, Kriminalität gegenüber Touristen ist praktisch kein Thema, auch abends auf dem Nachtmarkt. Übliche Reisevorsicht genügt.
- Beste Reisezeit: Frühling (März–April) und Herbst (Oktober–November) sind mit 18–25 °C angenehm trocken. Sommer (Juni–September) bringt hohe Luftfeuchtigkeit, Taifun-Saison und Regenschauer – bei einem Sommertermin den Wetterbericht der Reederei im Blick behalten.
- Einreise: Für deutsche Staatsangehörige ist die Einreise nach Taiwan zu touristischen Zwecken für kurze Aufenthalte visumfrei möglich – verbindlich sind die aktuellen Bestimmungen der taiwanischen Behörden. Was du an Reisedokumenten grundsätzlich dabeihaben solltest, erklärt der Ratgeber Reisedokumente: Pass, Visa & ESTA.
Fazit
Keelung ist der seltene Fall eines Kreuzfahrthafens, dessen größter Vorteil nicht die Stadt selbst ist, sondern die Tür, die er öffnet: In weniger als einer Stunde bist du mit dem Zug in einer der spannendsten Metropolen Asiens, und auf dem Rückweg wartet mit Jiufen eines der fotogensten Bergdörfer der Region. Wer noch unentschlossen ist, welche Häfen der Region ins Reiseprogramm passen, findet einen Überblick auf unserer Seite zu Asien & Fernost – dort stehen auch die Guides zu Nagasaki und Kobe, zwei japanischen Häfen mit ähnlich guter Bahnanbindung in die nächste Metropole.













