Danzig gehört zu den schönsten Städten an der Ostsee: eine über Jahrhunderte reich gewordene Hansestadt, deren Rechtstadt mit ihren schmalen Giebelhäusern, dem Krantor und der gewaltigen Marienkirche nach der fast vollständigen Zerstörung 1945 detailgetreu wiederaufgebaut wurde. Für Kreuzfahrer gibt es allerdings einen Haken, den du vorab kennen solltest: Dein Schiff legt nicht in Danzig an, sondern im rund 30 Kilometer entfernten Gdynia. Wer den Transfer klug plant, hat trotzdem einen der lohnendsten Hafentage der ganzen Ostsee-Route vor sich – inklusive Bernstein, Hansegeschichte und polnischer Kaffeehauskultur. Dieser Guide zeigt dir, wie es geht.
Ankommen: Dein Schiff liegt in Gdynia – nicht in Danzig
Kreuzfahrtschiffe machen am Nabrzeże Francuskie (Französischen Kai) im Hafen von Gdynia fest, einem Industrie- und Fährhafen ohne nennenswerte Sehenswürdigkeiten in Laufnähe. Bis in Danzigs Altstadt sind es rund 30 Kilometer – dafür gibt es drei Wege:
- SKM-Bahn (günstig und zuverlässig): Die Vorortbahn SKM fährt vom Bahnhof Gdynia Główna alle 10–15 Minuten über Sopot nach Gdańsk Główny, Fahrzeit ca. 35–40 Minuten, Ticket ab ca. 8–10 Złoty (rund 2 €). Vom Schiff zum Bahnhof brauchst du ein Taxi (ca. 10 Minuten, ab ca. 20–30 Złoty) oder gut 30 Minuten zu Fuß durch das Hafengebiet. Vom Danziger Hauptbahnhof sind es dann noch 10–15 Gehminuten in die Rechtstadt.
- Taxi direkt nach Danzig: Bequem, aber je nach Verkehr 45–60 Minuten unterwegs und ab ca. 150–200 Złoty (35–45 €) pro Strecke. Preis vorher vereinbaren oder eine App wie Bolt nutzen.
- Reederei-Shuttle oder Ausflug: Viele Reedereien bieten Shuttlebusse nach Danzig an – die bequemste, aber nicht die günstigste Lösung. Preise und Rückfahrzeiten vorab prüfen.
Plane für den Rückweg großzügig: Der Verkehr rund um die Dreistadt (Gdynia–Sopot–Danzig) kann am Nachmittag zäh sein, und das Schiff wartet nicht auf Selbstfahrer.
Danzig auf eigene Faust: Das schaffst du in 5–8 Stunden
Langgasse & Langer Markt (1–1,5 Stunden)
Der klassische Einstieg führt durch das Goldene Tor in die Langgasse (ul. Długa), die sich zum Langen Markt (Długi Targ) weitet – Danzigs Prachtmeile mit dem Rechtstädtischen Rathaus, dem Artushof und dem Neptunbrunnen von 1633, dem Wahrzeichen der Stadt. Nimm dir Zeit für die Fassaden: Fast alles hier wurde nach 1945 aus Trümmern rekonstruiert, was man den Häusern heute kaum ansieht. Wer mag, steigt auf den Rathausturm (ca. 20–25 Złoty) für den Überblick über die Rechtstadt.

Marienkirche & Frauengasse (1–1,5 Stunden)
Die Marienkirche ist eine der größten Backsteinkirchen der Welt – der weiß getünchte Innenraum soll bis zu 25.000 Menschen fassen. Der Eintritt in die Kirche ist günstig, der Aufstieg auf den Turm (rund 400 Stufen, ca. 16–20 Złoty) belohnt mit dem besten Blick über Danzig. Direkt an der Kirche beginnt die Frauengasse (ul. Mariacka), die schönste Gasse der Stadt: schmale Häuser mit steinernen Terrassen (Beischlägen), auf denen Bernsteinhändler ihre Stände aufbauen. Hier kaufst du Bernstein am stimmungsvollsten – seriöse Läden geben Zertifikate, bei auffällig billigen Stücken ist Skepsis angebracht.

Motława-Ufer & Krantor (ca. 1 Stunde)
Über das Frauentor gelangst du ans Ufer der Motława mit der Uferpromenade Lange Brücke (Długie Pobrzeże). Star des Panoramas ist das Krantor (Żuraw) aus dem 15. Jahrhundert – der größte erhaltene Hafenkran des mittelalterlichen Europas, mit dem einst Schiffe be- und entladen und Masten gesetzt wurden. Gegenüber, auf der Speicherinsel, sind alte Speicher zu Cafés und Hotels geworden – ein guter Ort für eine Pause mit Blick aufs Wasser.

Option für Geschichtsinteressierte: Westerplatte (2–3 Stunden)
Auf der Halbinsel Westerplatte begann am 1. September 1939 mit dem Beschuss der polnischen Garnison der Zweite Weltkrieg. Heute erinnern ein Denkmal und die Ruinen der Kasernen daran. Ab der Motława fahren Ausflugsschiffe (ca. 60–80 Złoty hin und zurück, insgesamt gut 2,5 Stunden) – eine eindrucksvolle, aber zeitintensive Ergänzung, die sich nur bei langer Liegezeit mit dem Altstadtprogramm kombinieren lässt. Alternativ lohnt das Europäische Solidarność-Zentrum an der Danziger Werft (ca. 30 Złoty), das die Geschichte der Gewerkschaft Solidarność und des Endes des Ostblocks erzählt.
Top-Erlebnisse im Überblick
| Erlebnis | Zeitbedarf | Kosten |
|---|---|---|
| Langgasse & Langer Markt | 1–1,5 Std. | kostenlos |
| Rathausturm | 30–45 Min. | ca. 20–25 Złoty (ca. 5 €) |
| Marienkirche mit Turm | 1 Std. | Turm ca. 16–20 Złoty (ca. 4–5 €) |
| Frauengasse & Bernstein-Bummel | 30–60 Min. | kostenlos |
| Krantor & Motława-Ufer | 45–60 Min. | kostenlos (Museum optional) |
| Schiffsfahrt Westerplatte | ca. 2,5 Std. | ca. 60–80 Złoty (ca. 15–19 €) |
| Europäisches Solidarność-Zentrum | 1,5–2 Std. | ca. 30 Złoty (ca. 7 €) |
Welche Ausflüge lohnen sich – und welche nicht?
Der organisierte Danzig-Ausflug der Reederei ist hier mehr wert als in Häfen, wo das Schiff direkt an der Altstadt liegt: Er löst das Transferproblem und garantiert die pünktliche Rückkehr. Wer gut zu Fuß ist und den SKM-Fahrplan im Blick behält, schafft Danzig aber problemlos auf eigene Faust – und spart deutlich. Die Marienburg (Malbork), die größte Backsteinburg der Welt, liegt weitere 60 Kilometer südöstlich: beeindruckend, aber an einem normalen Hafentag nur als straff organisierter Ganztagesausflug machbar. Das Seebad Sopot mit der längsten Holzseebrücke Europas liegt an der SKM-Strecke – ein kurzer Zwischenstopp auf dem Rückweg ist drin, wenn du Zeitreserven hast. Wer lieber im Anlaufhafen selbst bleibt: Gdynia bietet mit Hafenpromenade und Emigrationsmuseum ein solides, aber deutlich unspektakuläreres Programm.
Praktisches für deinen Tag in Danzig
- Złoty statt Euro: Polen zahlt in Złoty (PLN). Kartenzahlung funktioniert fast überall, selbst am Marktstand – viel Bargeld brauchst du nicht. Falls doch: Geld am Automaten abheben (ohne teure Sofort-Umrechnung in Euro) statt am Wechselschalter im Hafen.
- SKM-Tickets: Am Automaten oder per App kaufen und Papiertickets vor Fahrtantritt entwerten – Kontrollen sind üblich.
- Zeitpuffer einplanen: Rechne für den Rückweg zum Schiff mindestens 1,5 Stunden ab Danziger Altstadt, mehr bei Berufsverkehr.
- Bernstein prüfen: Echter Baltischer Bernstein ist leicht und warm – seriöse Händler in der Frauengasse stellen Zertifikate aus. Sehr billige „Bernstein"-Ketten sind oft Kunstharz.
- Trinkgeld: In Restaurants sind ca. 10 % üblich, sofern kein Serviceaufschlag auf der Rechnung steht – mehr dazu (auch für die Zeit an Bord) in unserem Trinkgeld-Ratgeber.
Fazit
Danzig verlangt dir mit dem Transfer ab Gdynia etwas Planung ab, belohnt dich aber mit einer der eindrucksvollsten Altstädte der Ostsee: Langer Markt, Marienkirche, Frauengasse und Krantor liegen so dicht beieinander, dass fünf bis sechs Stunden vor Ort für das Kernprogramm reichen. Hansestädte-Fans finden auf derselben Route oft auch Riga und das mittelalterliche Visby – zusammen ergibt das ein stimmiges Bild der alten Handelswelt rund um die Ostsee.







