Kaum ein Thema sorgt vor der ersten Kreuzfahrt für so viel Unsicherheit wie das Trinkgeld: Muss ich? Wie viel? An wen überhaupt – und ist das nicht längst im Reisepreis enthalten? Die kurze Antwort: Es kommt auf die Reederei an. Zwischen „alles inklusive, Trinkgeld ist reine Kür“ und „20 US-Dollar pro Person und Tag werden automatisch gebucht“ liegt eine große Spannbreite. Dieser Artikel bringt Ordnung hinein.
Die drei Trinkgeld-Systeme auf einen Blick
Grundsätzlich begegnen dir auf Kreuzfahrten drei Modelle:
- Trinkgeld inklusive: Der Reisepreis enthält bereits alle Servicegelder. Zusätzliches Trinkgeld ist ausdrücklich freiwillig. Typisch für deutsche Reedereien.
- Automatisches Serviceentgelt („Gratuities“): Die Reederei bucht pro Person und Nacht einen festen Betrag aufs Bordkonto, der an die Crew verteilt wird. Typisch für amerikanische Reedereien.
- Servicezuschlag auf Einzelleistungen: Unabhängig vom Modell schlagen viele Reedereien auf Getränkerechnungen, Spa-Behandlungen oder Spezialrestaurants automatisch 15–20 % Service auf – vor allem die US-Anbieter.
So handhaben es die großen Reedereien
Die Beträge ändern sich regelmäßig – verstehe die Tabelle als Orientierung (Stand: Mitte 2026, pro Person/Nacht in der Standardkabine):
| Reederei | Modell | Richtwert |
|---|---|---|
| AIDA Cruises | Trinkgeld inklusive | 0 € – Extra-Trinkgeld freiwillig |
| TUI Cruises – Mein Schiff | Trinkgeld inklusive | 0 € – Extra-Trinkgeld freiwillig |
| Hapag-Lloyd Cruises | Trinkgeld inklusive | 0 € – Extra-Trinkgeld freiwillig |
| Costa | Serviceentgelt im deutschen Marktpreis enthalten | 0 € bei Buchung in DE |
| MSC | Hotelservice-Entgelt meist im Preis enthalten (deutsche Buchungen) | 0 € bzw. laut Buchungsbestätigung |
| Royal Caribbean | Automatische Gratuities | ca. 18–19 US-$ |
| Norwegian Cruise Line | Automatischer „Service Charge“ | ca. 20–21 US-$ |
| Celebrity Cruises | Automatische Gratuities | ca. 18–19 US-$ |
Wichtig: Prüfe immer deine Buchungsunterlagen. Ob Serviceentgelte enthalten sind, hängt bei internationalen Reedereien teils vom Buchungsland und vom gewählten Tarif ab. Die verbindliche Angabe steht in deiner Reisebestätigung – nicht im Forum und nicht in diesem Artikel.
Was bedeutet das konkret an Bord?
Bei AIDA, Mein Schiff & Co.
Hier musst du gar nichts tun. Die Crew wird über den Reisepreis fair bezahlt, ein Serviceentgelt wird nicht berechnet. Wenn dich jemand besonders begeistert hat – der Kabinensteward, die Kellnerin im Lieblingsrestaurant – freut er oder sie sich über 5 bis 10 € am Ende der Reise, persönlich übergeben. Das ist eine Geste, keine Pflicht, und niemand schaut dich schief an, wenn du es nicht tust.
Bei Royal Caribbean, NCL & Celebrity
Das Serviceentgelt landet automatisch auf deinem Bordkonto – bei einer 7-Nächte-Reise für zwei Personen kommen so schnell 250 bis 300 US-Dollar zusammen. Dazu kommen 18–20 % Aufschlag auf jede Getränkebestellung (bei Getränkepaketen bereits eingerechnet bzw. beim Kauf fällig). Drei Dinge solltest du wissen:
- Vorab bezahlen lohnt sich oft: Viele Reedereien bieten an, die Gratuities schon bei der Buchung zum Festpreis zu begleichen – das schützt vor Erhöhungen und macht das Bordkonto übersichtlicher.
- Anpassung ist möglich: An der Rezeption kannst du das Serviceentgelt erhöhen, reduzieren oder streichen lassen. Bedenke aber: Für viele Crew-Mitglieder sind die Gratuities ein wesentlicher Teil des Einkommens. Streichen solltest du nur bei wirklich schlechtem Service – und das Problem vorher ansprechen, damit es gelöst werden kann.
- Suiten kosten mehr: In Suiten liegt der Tagessatz meist 2–4 US-Dollar höher.
Servicezuschläge auf Einzelnes
Auch bei ansonsten „inklusiven“ Reedereien können einzelne Leistungen Service-Aufschläge enthalten – etwa im Spa oder in Spezialrestaurants. Ein Blick auf die Rechnung zeigt es: Steht dort bereits „Service Charge“ oder „Gratuity included“, ist zusätzliches Trinkgeld unnötig.

Trinkgeld an Land: Ausflüge, Taxis, Restaurants
- Ausflugsguides: Bei gelungenen Landausflügen sind 1–2 € pro Person und Stunde für Guide und Busfahrer eine übliche und gern gesehene Geste – unabhängig davon, ob der Ausflug über die Reederei oder privat gebucht war.
- Restaurants im Hafen: Es gelten die Gepflogenheiten des Landes, nicht die des Schiffes. In Südeuropa sind 5–10 % üblich, in den USA 18–25 %, in Japan gibt man gar kein Trinkgeld.
- Tenderboote & Gepäckträger: Beim Gepäckservice im Hafen (z. B. bei der Einschiffung) sind 1–2 € pro Gepäckstück üblich.
Die häufigsten Fragen kurz beantwortet
Muss ich Bargeld mitnehmen? Für das Serviceentgelt nicht – es läuft übers Bordkonto. Für persönliche Trinkgelder an einzelne Crew-Mitglieder ist Bargeld (Euro oder US-Dollar) dagegen praktisch. Kleine Scheine einpacken.
Wer bekommt das automatische Serviceentgelt eigentlich? Es wird von der Reederei an Kabinenstewards, Restaurant-Crew und die vielen unsichtbaren Helfer (Wäscherei, Küche) verteilt. Der Verteilschlüssel ist Sache der Reederei.
Ich habe „All Inclusive“ gebucht – auch Trinkgeld? Premium-Tarife (z. B. „Always Included“ bei Celebrity) enthalten die Gratuities oft, Basistarife nicht. Auch hier gilt: Buchungsbestätigung lesen.
Was ist mit Kindern? Bei den US-Reedereien wird das Serviceentgelt meist ab dem Kleinkindalter fällig, teils reduziert. Bei den deutschen Reedereien stellt sich die Frage nicht.
Fazit
Bei AIDA, Mein Schiff und Hapag-Lloyd kannst du das Thema Trinkgeld entspannt vergessen und höchstens am Ende der Reise gezielt Danke sagen. Bei den amerikanischen Reedereien gehört das Serviceentgelt dagegen fest in die Reisekalkulation – rechne es bei der Budgetplanung von Anfang an ein, dann gibt es am Ende keine Überraschung auf dem Bordkonto. Was sonst noch auf der Bordrechnung landet und wie du dein Budget realistisch planst, liest du demnächst hier im Ratgeber – und wenn du noch am Anfang deiner Planung stehst, hilft dir unser Guide Deine erste Kreuzfahrt weiter.
