Kopenhagen ist neben Kiel und Warnemünde einer der wichtigsten Start- und Wendehäfen für Ostsee-Kreuzfahrten – und gleichzeitig eines der lohnendsten Tagesziele der Route. Die dänische Hauptstadt ist kompakt, sicher, fahrradverrückt und voller Postkartenmotive: der bunte Nyhavn-Kanal, die Kleine Meerjungfrau, Schloss Amalienborg und der Tivoli, einer der ältesten Vergnügungsparks der Welt. Fast alles davon schaffst du an einem Hafentag bequem auf eigene Faust – wenn du weißt, an welchem der beiden Anleger dein Schiff festmacht.
Ankommen: Oceankaj oder Langelinie?
Kopenhagen hat zwei Kreuzfahrt-Anleger, und der Unterschied ist für deine Tagesplanung entscheidend:
- Oceankaj: Die meisten großen Schiffe legen an diesem modernen Terminal rund 8 Kilometer nördlich des Zentrums an. Zu Fuß ist die Stadt von hier nicht erreichbar. Am flexibelsten bist du mit der Metro M4: Vom Terminal pendeln meist Shuttlebusse zur Station Orientkaj (teilweise auch fußläufig, je nach Liegeplatz ca. 10–20 Minuten), von dort fährst du in gut 15 Minuten bis Kongens Nytorv direkt am Nyhavn. Ein Einzelticket kostet ab ca. 24 DKK (ca. 3,20 €), Kauf per App oder Automat. Alternativ bieten die Reedereien Shuttlebusse in die Innenstadt an (oft ca. 10–15 € hin und zurück), ein Taxi kostet ab ca. 250–300 DKK.
- Langelinie: Kleinere und mittlere Schiffe machen an dieser Mole fest – ein Traumfall, denn die Kleine Meerjungfrau liegt praktisch direkt am Kai und bis zum Nyhavn läufst du 30–40 Minuten am Wasser entlang. Hier brauchst du weder Shuttle noch Taxi.
Im Tagesprogramm oder in der Reederei-App steht, welcher Anleger es wird – prüfe das vor der Planung.
Kopenhagen auf eigene Faust: Das schaffst du in 6–8 Stunden
Kopenhagens Innenstadt ist angenehm überschaubar: Die klassische Route von der Meerjungfrau bis zum Tivoli ist etwa 4 Kilometer lang und lässt sich komplett zu Fuß gehen.
Vormittag: Kleine Meerjungfrau, Kastell & Amalienborg (2–2,5 Stunden)
Starte an der Kleinen Meerjungfrau – ja, sie ist kleiner als gedacht, und ja, du willst trotzdem ein Foto. Früh am Vormittag ist der Andrang am erträglichsten. Von dort schlenderst du durch das sternförmige Kastell (kostenlos, hübsche Wallanlagen) zum Schloss Amalienborg, der Residenz der dänischen Königsfamilie. Um 12 Uhr findet hier die Wachablösung statt – die Garde marschiert schon ab ca. 11:30 Uhr vom Schloss Rosenborg durch die Stadt. Wer pünktlich plant, nimmt das Spektakel kostenlos mit.

Mittags: Nyhavn & Kanalrundfahrt (1,5–2 Stunden)
Vom Amalienborg sind es zehn Gehminuten zum Nyhavn, dem meistfotografierten Motiv der Stadt: bunte Giebelhäuser, historische Holzschiffe, Cafés am Kai. Die Restaurants direkt am Kanal sind touristisch und teuer – ein Smørrebrød kostet hier schnell 15–20 €. Günstiger isst du eine Querstraße weiter oder auf die Hand vom Bäcker. Vom Nyhavn starten außerdem die Kanalrundfahrten (ca. 1 Stunde, ab ca. 110–140 DKK): Du siehst Oper, Schwarzer Diamant und die Kanäle von Christianshavn vom Wasser aus – an einem warmen Tag die entspannteste Stunde des Landgangs.

Nachmittag: Strøget, Rundetaarn & Tivoli (2–3 Stunden)
Vom Nyhavn führt die Strøget, eine der längsten Fußgängerzonen Europas, quer durch die Altstadt Richtung Rathausplatz. Unterwegs lohnt der Abstecher auf den Rundetaarn (ca. 40 DKK): Über eine breite Spiralrampe – ganz ohne Treppen – geht es hinauf zu einem schönen Blick über die Dächer. Am Ende der Strøget wartet der Tivoli (Eintritt ab ca. 165 DKK, Fahrgeschäfte extra): Der Vergnügungspark von 1843 ist liebevoll gestaltet und auch ohne eine einzige Achterbahnfahrt einen Besuch wert. Wer Gärten und Nostalgie nichts abgewinnen kann, lässt ihn guten Gewissens aus und verbringt die Zeit stattdessen im Freistadt-Viertel Christiania oder am Hafenbad Islands Brygge.
Welche Ausflüge lohnen sich – und welche nicht?
Für Kopenhagen selbst brauchst du keinen organisierten Ausflug: Metro, Shuttle und deine Füße reichen völlig, die Stadt ist bestens ausgeschildert und jeder spricht Englisch. Stadtrundfahrten per Bus zeigen dir nichts, was du nicht besser zu Fuß erlebst. Sinnvoll können Reederei-Ausflüge sein, wenn du gezielt raus willst: Schloss Frederiksborg in Hillerød (prächtige Renaissance-Anlage, ca. 40 Minuten Fahrt) oder die Wikingerschiffe von Roskilde sind auf eigene Faust per Bahn machbar, aber mit Umsteigen und Rückkehr-Risiko verbunden – hier nimmt dir der organisierte Ausflug echte Logistik ab. Bootstouren der Reederei durch die Kanäle sind dagegen meist teurer als die identische öffentliche Kanalrundfahrt ab Nyhavn.
Top-Erlebnisse im Überblick
| Erlebnis | Zeitbedarf | Kosten |
|---|---|---|
| Kleine Meerjungfrau & Kastell | 45–60 Min. | kostenlos |
| Wachablösung Amalienborg (12 Uhr) | 30 Min. | kostenlos |
| Kanalrundfahrt ab Nyhavn | 1 Std. | ab ca. 110–140 DKK |
| Rundetaarn | 30–45 Min. | ca. 40 DKK |
| Tivoli | 1,5–3 Std. | Eintritt ab ca. 165 DKK |
| Schloss Frederiksborg (Ausflug) | 4–5 Std. | ca. 90–120 € (Reederei) |
Praktische Tipps für deinen Tag in Kopenhagen
- Bezahlen: Dänemark hat den Euro nicht – gerechnet wird in Dänischen Kronen (DKK). Bargeld brauchst du praktisch nie, Kartenzahlung funktioniert überall, selbst am Hotdog-Stand.
- Preisniveau: Kopenhagen ist teuer. Ein Kaffee kostet ca. 5–6 €, ein einfaches Mittagessen 15–25 €. Wer sparen will, kauft beim Bäcker oder im Supermarkt.
- Fahrradverkehr: Die Radwege sind Hochgeschwindigkeitstrassen – schau beim Überqueren immer zweimal und stell dich nie auf den Radstreifen, das gibt böse Klingelkonzerte.
- Zeitpuffer Oceankaj: Plane für den Rückweg per Metro und Shuttle mindestens 60–75 Minuten ab Innenstadt. Nachmittags sind die Shuttles gut gefüllt.
- Wachablösung timen: Wenn dir das Spektakel wichtig ist, baue den Vormittag um 12 Uhr am Amalienborg herum – andersherum wird die Route hektisch.
- Basishafen-Tipp: Startet deine Kreuzfahrt in Kopenhagen, reise mindestens einen Tag früher an – die Stadt füllt einen eigenen Urlaubstag mühelos. Was am Einschiffungstag sonst noch wichtig ist, liest du im Guide zur ersten Kreuzfahrt.
Fazit
Kopenhagen gehört zu den einfachsten Großstadt-Häfen überhaupt: kompakt, sicher, perfekt zu Fuß und mit der Metro zu erkunden – organisierte Ausflüge kannst du dir für die Stadt selbst sparen. Meerjungfrau, Amalienborg, Nyhavn und Tivoli ergeben einen runden Tag, der ganz nebenbei durch die schönsten Ecken der Stadt führt. Wie es auf der Route weitergeht, liest du in unseren Guides zu Stockholm und Tallinn – und einen Überblick über alle Häfen der Region gibt es auf der Ostsee-Seite.







