Olden ist einer dieser Häfen, bei denen der Ortsname fast schon in die Irre führt: Das Dorf am innersten Ende des Nordfjords hat kaum 500 Einwohner, eine Handvoll Souvenirläden und zwei Kirchen – und trotzdem gehört der Stopp für viele zu den Höhepunkten einer Fjord-Kreuzfahrt. Der Grund liegt ein Tal weiter: der Briksdalsbreen, ein Gletscherarm des Jostedalsbreen, des größten Festlandgletschers Europas. Dazu kommen mit dem Loen Skylift eine der spektakulärsten Seilbahnen Norwegens und mit dem Lovatnet ein See, dessen türkisgrüne Farbe auf Fotos regelmäßig für Filter-Verdacht sorgt. Dieser Guide zeigt, wie du die Highlights an einem Hafentag unterbringst.
Ankommen: Der Pier liegt mitten im Dorf
Olden hat trotz seiner Größe einen echten Kreuzfahrt-Pier, an dem auch große Schiffe festmachen – Tenderboote sind hier die Ausnahme. Vom Pier bist du in zwei bis fünf Minuten zu Fuß im Ortskern, der aus wenig mehr als einer Straße mit Souvenirläden, einem kleinen Supermarkt und einem Café besteht. Shuttle oder Taxi brauchst du für den Ort selbst nicht.
Wichtig zu wissen: Die eigentlichen Attraktionen liegen außerhalb des Dorfes. Direkt am Pier stehen in der Saison Ausflugsbusse, Taxis und die Verkaufsstände der örtlichen Anbieter bereit – wer auf eigene Faust zum Gletscher oder zum Skylift will, organisiert das am besten gleich nach dem Von-Bord-Gehen oder vorab online.
Olden auf eigene Faust: Das schaffst du in 5–8 Stunden
Die drei großen Ziele – Briksdalsbreen, Loen Skylift und Lovatnet – lassen sich an einem langen Hafentag nicht alle drei entspannt kombinieren. Realistisch sind eines der großen Ziele plus Dorf, bei acht Stunden Liegezeit auch zwei. Hier die Bausteine mit ehrlichen Zeitangaben.
Briksdalsbreen: Der Gletscher (4–5 Stunden inkl. Anfahrt)
Der Klassiker. Vom Pier fährst du etwa 40 Minuten durch das Oldedalen-Tal bis zur Berglodge Briksdal – vorbei an Wasserfällen, Bauernhöfen und dem grünen Oldevatnet. Ab der Lodge geht es nicht mehr motorisiert weiter: Entweder wanderst du die rund drei Kilometer zum Gletschersee hinauf (ca. 45 Minuten bergauf, festes Schuhwerk, gut ausgebauter, aber stellenweise steiler Weg) oder du nimmst eines der elektrischen „Troll-Cars“, die dich bis auf die letzten zehn Gehminuten heranbringen (ca. 500–550 NOK hin und zurück, ca. 45 €). Oben wartet der Blick auf die blau schimmernde Gletscherzunge über dem milchig-grünen See.
Ein ehrliches Wort gehört dazu: Der Briksdalsbreen hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgezogen. Wer Fotos aus den 1990er-Jahren kennt, als das Eis noch bis fast an den See reichte, wird den Unterschied sehen – der Klimawandel ist hier keine abstrakte Zahl, sondern mit bloßem Auge ablesbar. Beeindruckend ist der Anblick trotzdem, und gerade das macht den Besuch für viele bewegender als früher.
Für die Anfahrt auf eigene Faust gibt es in der Saison Shuttlebusse ab Pier (ca. 300–400 NOK hin und zurück, ca. 30 €), alternativ Taxis. Rechne für das Gesamtpaket aus Anfahrt, Wanderung und Fotopausen vier bis fünf Stunden.

Loen Skylift: In fünf Minuten auf 1.011 Meter (3–4 Stunden inkl. Anfahrt)
Seit 2017 schwebt eine der steilsten Pendelbahnen der Welt von Loen – dem Nachbarort, rund 10 Minuten Fahrt von Olden – auf den Berg Hoven in 1.011 Meter Höhe. Oben stehst du auf einer Aussichtsplattform mit freiem Blick über den Nordfjord, den Lovatnet und die Gipfel des Jostedalsbreen; das Bergrestaurant gilt als eines der schönsten Panorama-Restaurants Norwegens. Die Bahn kostet ca. 695 NOK für Berg- und Talfahrt (ca. 60 €), in der Hochsaison lohnt die Online-Reservierung. Wer gut zu Fuß ist, kombiniert die Bergstation mit einer kurzen Höhenwanderung – markierte Wege starten direkt oben. Mit Transfer (Shuttlebus oder Taxi ab Pier) und Zeit auf dem Berg bist du drei bis vier Stunden unterwegs.

Lovatnet: Der türkise See (2–3 Stunden inkl. Anfahrt)
Der Lovatnet liegt hinter Loen im Lodalen-Tal und verdankt seine unwirkliche türkisgrüne Farbe dem feinen Gletschermehl im Schmelzwasser. Vom Pier sind es rund 20–25 Minuten Fahrt bis zu den Aussichtspunkten am Ufer. Der See ist ein reines Landschaftserlebnis – Spazierwege am Ufer, Fotostopps, im Sommer Ruderboot- und Kajakverleih. Die Idylle hat eine dunkle Geschichte: 1905 und 1936 stürzten gewaltige Felsmassen vom Berg Ramnefjell in den See und lösten Flutwellen aus, die die Dörfer am Ufer zerstörten – ein kleines Denkmal erinnert daran. Der Lovatnet lässt sich gut mit dem Loen Skylift kombinieren, da beide am selben Weg liegen.

Im Dorf: Kirchen und Fjordblick (1 Stunde)
Wenn nach dem Ausflug Zeit bleibt, lohnt ein Spaziergang durch Olden selbst: Die rot gestrichene Alte Kirche von Olden (Olden gamle kyrkje) von 1759 ist ein hübsches Beispiel für norwegische Holzbaukunst in Kreuzform, ein paar Schritte weiter steht die „neue“ Kirche von 1934. Dazu ein Kaffee mit Blick auf dein Schiff im Fjord – mehr Programm gibt das Dorf nicht her, und genau das ist sein Charme.
Top-Erlebnisse im Überblick
| Erlebnis | Zeitbedarf | Kosten |
|---|---|---|
| Briksdalsbreen (Bus + Wanderung) | 4–5 Std. | Shuttle ca. 300–400 NOK (ca. 30 €), Gletscherweg kostenlos |
| Troll-Car statt Wanderung | spart ca. 1 Std. | ca. 500–550 NOK (ca. 45 €) hin und zurück |
| Loen Skylift (Hoven) | 3–4 Std. | ca. 695 NOK (ca. 60 €) plus Transfer |
| Lovatnet | 2–3 Std. | Transfer ca. 250–350 NOK (ca. 25 €), See kostenlos |
| Alte Kirche & Dorfrundgang | 1 Std. | kostenlos |
Welche Ausflüge lohnen sich – und welche nicht?
Die Reederei-Ausflüge nach Briksdal sind hier ausnahmsweise eine Überlegung wert: Der Transfer ist ohnehin nötig, die Buskapazitäten im engen Tal sind begrenzt, und bei knapper Liegezeit ist die garantierte Rückkehr zum Schiff ein echtes Argument. Wer flexibel bleiben will, fährt mit dem örtlichen Shuttle – das ist günstiger, erfordert aber ein Auge auf den Rückfahrplan.
Loen Skylift plus Lovatnet ist die beste Kombination für alle, die schon einmal an einem Gletscher waren oder die 45 Minuten Aufstieg scheuen – zwei Top-Motive mit wenig Fußweg. Sparen kannst du dir organisierte Panorama-Busrundfahrten ohne konkretes Ziel: Die Landschaft entlang der Straßen siehst du bei jedem der genannten Ausflüge ohnehin. Und wer einfach nur einen ruhigen Tag will, macht es wie viele Crew-Mitglieder – Spaziergang zur alten Kirche, Bank am Fjord, Schiff fotografieren. Auch das ist in Olden ein guter Tag.
Übrigens: Olden liegt oft in Kombination mit Geiranger oder Ålesund im Fahrplan. Wenn dein Schiff beides ansteuert, plane die anstrengendere Wanderung für Olden ein – in Geiranger sind die Highlights näher am Anleger.
Praktisches für deinen Tag in Olden
- Früh entscheiden: Shuttlebusse und Troll-Cars sind an Tagen mit großen Schiffen schnell ausgebucht. Entweder vorab online reservieren oder direkt nach dem Anlegen buchen.
- Bezahlen: Norwegen ist praktisch bargeldlos – Kartenzahlung funktioniert überall, auch am Troll-Car-Schalter. NOK-Bargeld brauchst du nicht.
- Ausrüstung: Für Briksdal festes Schuhwerk und Regenjacke – die Gischt des Wasserfalls am Weg ist auch bei Sonne Teil des Erlebnisses. Am Gletschersee ist es spürbar kühler als im Tal.
- Preise: Norwegen ist teuer, ein einfaches Mittagessen kostet schnell 25–35 €. Wer sparen will, isst an Bord – mehr zu typischen Nebenkosten liest du in unserem Ratgeber zu Kreuzfahrt-Nebenkosten.
- Wetter: Auch im Hochsommer kann der Tag mit 12 Grad und Nieselregen beginnen und mit Sonne enden. Zwiebelprinzip.
Fazit
Olden ist der perfekte Beweis, dass die Größe eines Hafens nichts über die Größe des Tages aussagt: Das Dorf selbst ist in einer Stunde erledigt, aber mit Briksdalsbreen, Loen Skylift und Lovatnet liegen gleich drei Naturerlebnisse der Extraklasse vor der Tür – du musst dich nur entscheiden, denn alle drei passen nicht in einen Tag. Gletscher-Erstbesucher wählen Briksdal, Panorama-Fans den Skylift mit Lovatnet-Stopp. Mehr zur Region, den Routen und der besten Reisezeit findest du in unserem Überblick zu den Norwegischen Fjorden – und mit Eidfjord am Hardangerfjord wartet ein weiteres kleines Dorf mit großem Naturprogramm.









