Molde nennt sich selbst „Stadt der Rosen" – und tatsächlich blühen entlang der Uferpromenade und vor dem Rathaus den ganzen Sommer über Rosenbeete, die man so weit nördlich kaum erwartet. Das milde Klima am Romsdalsfjord macht es möglich. Berühmt ist die 30.000-Einwohner-Stadt aber vor allem für ihren Blick: Vom Hausberg Varden zählst du an klaren Tagen 222 Gipfel der Romsdalsalpen, viele davon bis in den Sommer schneebedeckt. Und wer motorisiert unterwegs ist, erreicht von hier eines der bekanntesten Straßenbauwerke der Welt – die Atlantikstraße mit der geschwungenen Storseisundet-Brücke. Molde ist damit der seltene Fall eines Fjordhafens, der Stadtbummel, Panorama und spektakulären Ausflug an einem Tag vereint.
Ankommen: Direkt an der Stadt
Kreuzfahrtschiffe legen an der Storkaia an, dem zentralen Pier unmittelbar am Stadtzentrum – Tenderboote sind in Molde nicht nötig. Vom Schiff bist du in 2 bis 5 Gehminuten in der Fußgängerzone Storgata, am Rathaus mit seinem Rosengarten und an der markanten, 1957 erbauten Molde Domkirke. Ein Shuttle ist überflüssig; nur für Varden (per Taxi) und die Atlantikstraße brauchst du ein Fahrzeug. Taxis stehen am Pier bereit, ein Mietwagenbüro liegt wenige Minuten entfernt im Zentrum – an Tagen mit Schiffsanlauf lohnt es sich, den Wagen vorab online zu reservieren.
Molde auf eigene Faust: Das schaffst du in 4–8 Stunden
Vormittag: Aufstieg oder Auffahrt zum Varden (2–3 Stunden)
Der Aussichtspunkt Varden liegt auf 407 Metern direkt über der Stadt und ist der Grund, warum Molde als „Stadt des Panoramas" vermarktet wird: Bei klarer Sicht reiht sich vor dir das komplette Bergpanorama der Romsdalsalpen auf – die berühmten 222 Gipfel, vom Romsdalshorn bis zur Trollkirche. Zu Fuß führt ein markierter Weg vom Zentrum in etwa 1 bis 1,5 Stunden stetig bergauf (festes Schuhwerk, teils Waldpfad). Bequemer geht es mit dem Taxi: Die Fahrt hinauf dauert rund 10 Minuten und kostet ca. 350–450 NOK (ca. 30–39 €) pro Strecke – zu viert geteilt eine faire Rechnung für eines der besten Panoramen Norwegens. Oben gibt es eine Aussichtsplattform und ein kleines Café mit Saisonöffnungszeiten.
Mittags: Romsdalsmuseum (1,5–2 Stunden)
Etwa 15 Gehminuten vom Pier liegt das Romsdalsmuseum, eines der größten Freilichtmuseen Norwegens: rund 40 historische Gebäude aus der Region – Bauernhöfe, Stabbur-Speicher, eine kleine Holzkapelle – verteilt auf einem hügeligen Parkgelände. Das moderne Eingangsgebäude „Krona" zeigt zusätzlich eine sehenswerte Ausstellung zur Kulturgeschichte des Romsdals (Eintritt ca. 190 NOK / ca. 16 €). Im Sommer führen Mitarbeiter in Tracht über das Gelände; der Park selbst ist frei zugänglich und auch für eine halbe Stunde Spaziergang lohnend.
Nachmittag: Rosen, Jazz und Uferpromenade (1 Stunde)
Zurück im Zentrum bleibt Zeit für das, was Molde im Alltag ausmacht: die Rosenbeete am Rathaus, die Hafenpromenade mit Blick auf die Fjordfähren und ein Kaffee in der Storgata (ca. 50 NOK / ca. 4,50 €). Wenn dein Schiff Mitte Juli anlegt, triffst du auf das Moldejazz, eines der ältesten Jazzfestivals Europas (seit 1961) – dann spielt die halbe Stadt draußen, Bühnen stehen am Hafen, und die Preise für Konzerte reichen von kostenlosen Open-Air-Acts bis zu großen Abendshows.
Die Atlantikstraße: Der Ausflug, der Molde besonders macht
Gut 35 Kilometer nordwestlich von Molde beginnt die Atlantikstraße (Atlanterhavsveien) – ein 8 Kilometer langer Straßenabschnitt, der auf Dämmen und acht Brücken von Schäre zu Schäre über den offenen Atlantik springt. Star der Strecke ist die Storseisundet-Brücke, die sich so eigenwillig in die Höhe schraubt, dass sie aus bestimmten Blickwinkeln wie eine ins Nichts führende Rampe wirkt – eines der meistfotografierten Straßenmotive der Welt.

Machbarkeit am Hafentag: Mit dem Mietwagen fährst du ab Molde etwa 45–60 Minuten pro Strecke (Mietwagen ab ca. 1.100 NOK / ca. 95 € pro Tag). Rechne mit 3 bis 4 Stunden inklusive Fotostopps und dem kurzen Küstenpfad am Rastplatz Eldhusøya – das passt in jede Liegezeit ab sechs Stunden. Wer nicht selbst fahren will, nimmt den Reederei-Ausflug („Atlantic Road" o. ä.) oder einen örtlichen Anbieter; die Busausflüge kombinieren die Strecke meist mit einem Stopp im Fischerdorf Bud. Ein öffentlicher Bus fährt zwar Richtung Kristiansund, ist aber wegen dünner Taktung für Kreuzfahrtgäste kaum praktikabel – hier lohnt der organisierte Ausflug ausnahmsweise wirklich.
Top-Erlebnisse im Überblick
| Erlebnis | Zeitbedarf | Kosten |
|---|---|---|
| Aussichtspunkt Varden | 2–3 Std. zu Fuß, 1 Std. mit Taxi | kostenlos; Taxi ca. 350–450 NOK (ca. 30–39 €) pro Strecke |
| Romsdalsmuseum mit „Krona" | 1,5–2 Std. | ca. 190 NOK (ca. 16 €) |
| Stadtbummel, Rosen & Dom | 1 Std. | kostenlos |
| Atlantikstraße & Storseisundet-Brücke | 3–4 Std. (mit Mietwagen) | Mietwagen ab ca. 1.100 NOK (ca. 95 €), Ausflug je nach Anbieter |
| Trollkirka-Höhlen | 4–5 Std. (mit Anfahrt) | kostenlos; Anfahrt nur motorisiert |
Welche Ausflüge lohnen sich – und welche nicht?
Die Atlantikstraße ist der klare Favorit und der Ausflug, für den Molde im Fahrplan steht – ob per Mietwagen oder Bustour ist Geschmacks- und Budgetfrage. Die Trollkirka-Höhlen (Trollkirche), drei Marmorhöhlen mit unterirdischem Wasserfall, sind ein lohnendes Ziel für Wanderer: Der Ausgangspunkt liegt rund 30 Fahrminuten westlich, der Aufstieg dauert gut eine Stunde pro Richtung, und ohne Stirnlampe und trittsicheres Schuhwerk geht es nicht – nichts für einen knappen Hafentag, aber machbar ab etwa sieben Stunden Liegezeit.
Sparen kannst du dir dagegen lange Panoramafahrten Richtung Trollstigen oder Geiranger, die manche Reedereien ab Molde anbieten: Über zwei Stunden Fahrzeit pro Strecke stehen in keinem Verhältnis, wenn Geiranger oder Åndalsnes ohnehin oft als eigene Häfen auf der Route liegen. Auch ein Taxi-Transfer zur Atlantikstraße ist mit gut 1.500 NOK pro Strecke unverhältnismäßig teuer – dann lieber Mietwagen oder Bustour.
Praktisches für deinen Tag in Molde
- Bezahlen: Norwegen ist praktisch bargeldlos – Kartenzahlung funktioniert überall, NOK-Bargeld brauchst du nicht.
- Preise: Wie überall in Norwegen sind Restaurants teuer (Mittagessen ca. 250–350 NOK / ca. 22–30 €). Was an Nebenkosten auf einer Kreuzfahrt sonst noch zusammenkommt, zeigt unser Kosten-Ratgeber.
- Wetter: Molde gilt als vergleichsweise mild, aber das Panorama vom Varden steht und fällt mit der Sicht. Bei tiefen Wolken lieber Museum und Stadt vorziehen und auf ein Wetterfenster warten.
- Moldejazz Mitte Juli: Während der Festivalwoche ist die Stadt voll und lebendig – Taxis und Mietwagen früh sichern.
- Mobilfunk: Norwegen ist kein EU-Land, viele deutsche Tarife schließen es trotzdem ins Roaming ein – vorher prüfen.
Fazit
Molde ist ein unterschätzter Hafen: Die Stadt selbst ist in zwei Stunden erlebt, aber die Kombination aus Varden-Panorama am Vormittag und Atlantikstraße am Nachmittag ergibt einen der abwechslungsreichsten Tage einer Norwegen-Kreuzfahrt. Wer es ruhiger mag, bleibt bei Rosen, Romsdalsmuseum und Hafenpromenade – und hebt sich die großen Fjordkulissen für Ålesund oder Geiranger auf, die auf vielen Routen direkt vor oder nach Molde liegen.






