Eidfjord liegt dort, wo der Hardangerfjord nach über 100 Kilometern endgültig zu Ende ist: ein Dorf mit rund 900 Einwohnern, eingerahmt von steilen Bergflanken, hinter denen die Hardangervidda beginnt – Europas größte Hochebene. Für Kreuzfahrtgäste ist der Ort vor allem das Tor zum Vøringsfossen, Norwegens berühmtestem Wasserfall, der 182 Meter in eine wilde Schlucht stürzt. Dazu kommen ein sehenswertes Naturzentrum, Wanderwege direkt ab Pier und eine Besonderheit, die man in einem Fjorddorf nicht erwartet: Der Hardangerfjord ist Norwegens Obstgarten, und der hier gekelterte Cidre hat inzwischen internationalen Ruf. Dieser Guide zeigt, wie du deinen Tag im innersten Hardangerfjord planst.
Ankommen: Vom Pier direkt ins Dorf
Kreuzfahrtschiffe legen am Pier direkt im Ort an – vom Ausgang des Terminals stehst du nach zwei bis fünf Gehminuten mitten in Eidfjord. Tenderboote gibt es hier nur in Ausnahmefällen, wenn zwei Schiffe gleichzeitig da sind. Das Dorf selbst besteht aus wenigen Straßen mit Café, Supermarkt, ein paar Läden und der kleinen Steinkirche aus dem 14. Jahrhundert – alles fußläufig, ein Shuttle ist unnötig.
Direkt am Pier starten in der Saison die Angebote für den Tag: Ausflugsbusse zum Vøringsfossen, der Troll-Zug (eine Wegebahn auf Rädern) und ein kleines Touristbüro, das auch kurzfristig Plätze vermittelt. Wer den Wasserfall auf eigene Faust erreichen will, sollte sich hier gleich morgens kümmern.
Eidfjord auf eigene Faust: Das schaffst du in 5–8 Stunden
Vøringsfossen: Der Pflichttermin (2,5–3,5 Stunden inkl. Anfahrt)
Der Vøringsfossen ist das eine Erlebnis, das du in Eidfjord nicht auslassen solltest. Der Wasserfall stürzt insgesamt 182 Meter tief in die Måbødal-Schlucht, davon 145 Meter im freien Fall – und seit 2020 machen neue Aussichtsplattformen und eine spektakuläre Stufenbrücke direkt über der Schlucht das Naturschauspiel so zugänglich wie nie. Die Brücke spannt sich in 47 Stufen über den Fluss, mit dem tosenden Wasser unter den Füßen; wer schwindelfrei ist, bekommt hier eines der eindrucksvollsten Fotomotive Norwegens. Der Zugang zu den Plattformen ist kostenlos.
Die Anfahrt dauert rund 20 Minuten über die kurvige Straße durch das Måbødalen-Tal. Auf eigene Faust kommst du in der Saison mit dem Shuttlebus ab Pier hinauf (ca. 350–450 NOK hin und zurück, ca. 35 €), alternativ per Taxi. Plane oben mindestens eine Stunde ein – die Aussichtspunkte verteilen sich auf beide Seiten der Schlucht, und der Weg zwischen Hotelseite und Brücke lohnt sich.

Hardangervidda-Naturzentrum: Die Hochebene verstehen (1,5–2 Stunden)
Auf halbem Weg zum Wasserfall, im Ortsteil Øvre Eidfjord, liegt das Hardangervidda Natursenter (Eintritt ca. 190 NOK, ca. 16 €) – ein modernes, interaktives Naturkundezentrum über die Hochebene, ihre Rentierherden und die Entstehung der Fjorde. Höhepunkt ist der 20-minütige Panoramafilm, der in einem Flug über die Hardangervidda entstand. Das Zentrum ist die beste Schlechtwetter-Option des Tages und lässt sich ideal mit dem Vøringsfossen zu einem Halbtagesprogramm kombinieren – viele Shuttles und Ausflüge steuern beides an. Der Troll-Zug ab Pier fährt in der Saison ebenfalls bis zum Naturzentrum (ca. 300–350 NOK, ca. 28 €, inkl. kleiner Ortsrundfahrt).
Wandern ab Pier: Eidfjordvatnet und Kjeåsen (1,5–4 Stunden)
Eidfjord ist einer der wenigen Fjordhäfen, in denen du direkt ab Schiff lohnend wandern kannst. Die einfachste Runde führt am Fluss entlang zum Eidfjordvatnet, dem türkis schimmernden See hinter dem Ort (Rundweg 1,5–2 Stunden, flach). Deutlich sportlicher ist der Aufstieg zum Bergbauernhof Kjeåsen, der 600 Meter über dem Fjord auf einer Felsterrasse klebt und als einer der am schwersten zugänglichen Höfe Norwegens gilt – der historische Steig ist steil, teils mit Leitern gesichert und nur für trittsichere Wanderer (gut 2 Stunden pro Richtung). Bequemer geht es mit dem Taxi durch den Tunnel hinauf; oben belohnt einer der schönsten Fjordblicke der Region.
Obstgarten Hardanger: Cidre probieren (1–2 Stunden)
Das milde Fjordklima macht den Hardangerfjord zur wichtigsten Obstbauregion Norwegens – im Mai blühen hier Hunderttausende Apfel-, Kirsch- und Pflaumenbäume. Aus den Äpfeln entsteht der Hardanger-Cidre, der als geschützte Herkunftsbezeichnung inzwischen in Restaurants von Oslo bis Kopenhagen ausgeschenkt wird. In Eidfjord selbst führen Hofläden und Cafés lokale Cidre-Sorten und Apfelsaft; einige Reedereien bieten Ausflüge zu Obsthöfen mit Verkostung an. Ein Glas am Fjordufer ist die entspannteste Art, den Nachmittag ausklingen zu lassen – und eine Flasche aus dem Hofladen ein Souvenir, das tatsächlich von hier stammt.

Top-Erlebnisse im Überblick
| Erlebnis | Zeitbedarf | Kosten |
|---|---|---|
| Vøringsfossen (Shuttle + Plattformen) | 2,5–3,5 Std. | Shuttle ca. 350–450 NOK (ca. 35 €), Zugang kostenlos |
| Hardangervidda-Naturzentrum | 1,5–2 Std. | ca. 190 NOK (ca. 16 €) plus Transfer |
| Troll-Zug (Ort + Naturzentrum) | 2–2,5 Std. | ca. 300–350 NOK (ca. 28 €) |
| Rundweg Eidfjordvatnet | 1,5–2 Std. | kostenlos |
| Kjeåsen-Bergbauernhof | 3–4 Std. (Taxi) / ganztags (zu Fuß) | Taxi nach Absprache, Hof kostenlos |
| Cidre-Verkostung / Hofläden | 1–2 Std. | Glas ca. 90–130 NOK (ca. 8–11 €) |
Welche Ausflüge lohnen sich – und welche nicht?
Der Reederei-Ausflug zum Vøringsfossen ist solide, aber selten nötig: Shuttlebus oder Taxi bringen dich flexibler und meist günstiger hinauf, und oben ist der Weg selbsterklärend. Buchenswert sind dagegen die Kombi-Touren mit Obsthof und Verkostung, weil du die Höfe auf eigene Faust ohne Mietwagen kaum erreichst. Sparen kannst du dir lange Panoramabusfahrten Richtung Hardangervidda-Plateau – viel Fahrzeit für Aussichten, die du am Vøringsfossen kompakter bekommst.
Ein Vergleich, der bei der Routenwahl hilft: Eidfjord und Flåm sind sich als Häfen ähnlich – beide winzig, beide am Ende eines langen Fjordarms, beide mit einem Weltklasse-Ausflugsziel. In Flåm ist es die Flåmbahn, hier der Vøringsfossen. Stehen beide Orte auf deiner Route, hast du zwei perfekte Tage vor dir; musst du dich bei der Routenwahl entscheiden, ist Flåm der Bahn-Klassiker und Eidfjord die ruhigere, wanderfreundlichere Alternative mit Wasserfall-Wow-Effekt.
Praktisches für deinen Tag in Eidfjord
- Schwindelfreiheit: Die Stufenbrücke am Vøringsfossen ist gut gesichert, aber nichts für Menschen mit Höhenangst – die klassischen Plattformen auf der Hotelseite bieten das Panorama auch ohne Nervenkitzel.
- Bezahlen: Kartenzahlung überall, NOK-Bargeld ist unnötig. Norwegen ist kein EU-Land – prüfe vorab, ob dein Mobilfunktarif Norwegen einschließt.
- Preise: Wie überall in Norwegen sind Restaurants teuer (Mittagessen 25–35 €). Was an Bord und an Land sonst noch zusammenkommt, rechnet unser Ratgeber zu Kreuzfahrt-Nebenkosten vor.
- Wetter am Wasserfall: Am Vøringsfossen ist es durch Gischt und Höhenlage deutlich kühler als im Ort – Jacke einpacken, auch im Juli.
- Einlaufen nicht verschlafen: Die letzte Stunde der Anfahrt durch den immer enger werdenden Hardangerfjord gehört an Deck erlebt – ähnlich spektakulär wie die berühmtere Einfahrt nach Geiranger.
Fazit
Eidfjord ist ein Hafen der kurzen Wege mit einem einzigen großen Muss: Vøringsfossen mit den neuen Plattformen und der Stufenbrücke rechtfertigt den Stopp allein, und mit Naturzentrum, Seerundweg oder einem Glas Hardanger-Cidre füllt sich der Rest des Tages wie von selbst. Wer sportlich unterwegs ist, hat mit Kjeåsen eine der lohnendsten Bergtouren der Fjordhäfen direkt vor der Tür. Mehr zu Routen und Reisezeit findest du in unserem Überblick zu den Norwegischen Fjorden – und wenn dein Schiff danach Bergen anläuft, wartet dort der perfekte städtische Kontrast zum stillen Fjordende.









