Tórshavn

Tórshavn auf eigene Faust: Tinganes, Altstadt Reyn, Fort Skansin und Ausflüge nach Saksun und Gjógv – der komplette Färöer-Hafenguide.

Anleger

Pier an der Ostmole, wenige Gehminuten vom Zentrum

Zentrum

ca. 5–10 Min. zu Fuß

Währung

Färöische Krone, 1:1 an die Dänische Krone gekoppelt (DKK)

Sprache

Färöisch, Dänisch, Englisch weit verbreitet

Tórshavn, Hauptstadt der Färöer, ist mit rund 20.000 Einwohnern eine der kleinsten Hauptstädte der Welt – und eine der charmantesten. Auf der Halbinsel Tinganes drängen sich knallrote Holzhäuschen mit Grasdächern, in denen bis heute Teile der Landesregierung sitzen, direkt daneben dümpeln Fischerboote im alten Hafenbecken. Wer die Stadt gesehen hat, will meist raus ins Grüne: zu Wasserfällen, schwarzen Sandbuchten und Dörfern wie Saksun und Gjógv, die aussehen, als hätte sie jemand für ein Fotobuch arrangiert. Dieser Guide zeigt, was an einem Hafentag realistisch ist – und warum das Wetter hier immer mitentscheidet.

Ankommen: Vom Pier direkt in die Altstadt

Kreuzfahrtschiffe legen an der Ostmole des Hafens an, größere Schiffe etwas weiter außen am neuen Terminalbereich. In beiden Fällen bist du in 5 bis 10 Minuten zu Fuß im Zentrum – ein Shuttle ist normalerweise nicht nötig. Vom Pier läufst du am kleinen Bootshafen Vágsbotnur entlang, links die bunten Lagerhäuser, geradeaus beginnt schon Tinganes. Praktisch: Die roten Stadtbusse von Tórshavn sind kostenlos – falls du zum Kunstmuseum oder in den Stadtteil Argir willst, steigst du einfach ein.

Ein Hinweis vorab: Die Färöer liegen mitten im Nordatlantik, und das merkt man. Nebel, Nieselregen und Sonne wechseln sich oft im Halbstundentakt ab. Plane Outdoor-Ziele flexibel und verschiebe nichts Wichtiges auf „später, wenn es aufklart" – es kann auch andersherum kommen.

Tórshavn auf eigene Faust: Das schaffst du in 4–6 Stunden

Vormittag: Tinganes und die Altstadt Reyn (1,5–2 Stunden)

Tinganes ist einer der ältesten Parlamentssitze der Welt: Schon um 900 trafen sich hier die Wikinger zum Thing, heute arbeiten in den roten Holzhäuschen mit den Grasdächern Ministerien der färöischen Landesregierung. Es gibt keine Zäune und keine Tickets – du spazierst einfach zwischen den Gebäuden über den blanken Fels an der Hafenspitze (Respekt vor den Arbeitsplätzen vorausgesetzt). Direkt dahinter schließt die Altstadt Reyn an: schwarz geteerte Holzhäuser mit weißen Fensterrahmen und Grasdächern, enge Gassen, dazwischen die Kathedrale von 1788. Alles zusammen ist ein kompaktes, extrem fotogenes Ensemble – nimm dir Zeit zum Treibenlassen.

Schwarze Holzhäuser mit Grasdächern und weißen Fenstern in der Altstadt Reyn von Tórshavn

Das Altstadtviertel Reyn direkt am Hafen von Tórshavn zählt zu den ältesten bewohnten Holzhaussiedlungen Nordeuropas – die Gassen sind zu jeder Tageszeit einen Spaziergang wert.

Mittags: Fort Skansin und Hafenrunde (1 Stunde)

Auf der Anhöhe direkt über dem Kreuzfahrtpier liegt Fort Skansin, eine Befestigung von 1580, die einst gegen Piraten schützte und im Zweiten Weltkrieg britischer Stützpunkt war. Heute stehen dort ein paar alte Kanonen und ein kleiner Leuchtturm – vor allem aber hast du von hier den besten Blick auf Hafen, Stadt und dein Schiff (frei zugänglich, 30–45 Minuten). Danach lohnt ein Kaffee im Zentrum: Die Cafés rund um den Platz Vaglið sind gemütlich, aber färöische Preise sind skandinavisch – rechne mit ca. 40–50 DKK für einen Cappuccino.

Nachmittag: Raus aufs Land – Kirkjubøur, Saksun oder Gjógv

Die berühmten Postkartenmotive der Färöer liegen außerhalb. Drei realistische Optionen, sortiert nach Zeitbedarf:

  • Kirkjubøur (ca. 20 Fahrminuten): der historisch wichtigste Ort der Inseln, mit der Ruine der gotischen Magnus-Kathedrale, der ältesten noch bewohnten Holzhütte Europas (Kirkjubøargarður) und Blick auf die Nachbarinseln. Als Taxi- oder Tourenziel gut in 2–2,5 Stunden inklusive Fahrt machbar.
  • Saksun (ca. 45 Fahrminuten pro Strecke): das vielleicht meistfotografierte Dorf der Färöer – eine Handvoll Grasdachhäuser und eine Kirche über einer Lagune zwischen steilen Berghängen. Mit Fotostopps rechne 2,5–3 Stunden für den Ausflug.
  • Gjógv (ca. 1 Stunde pro Strecke): Dorf mit spektakulärer natürlicher Schlucht als Bootshafen, im Nordosten der Insel Eysturoy. Landschaftlich der große Wurf, aber mit gut 2 Stunden reiner Fahrzeit nur bei langen Liegezeiten entspannt – oft als Kombitour mit Fotostopp am Fjord von Funningur angeboten.

Für alle drei gilt: Linienbusse sind keine verlässliche Option (dünner Takt, Umstiege). Buche eine örtliche Kleinbus-Tour (ab ca. 60–90 € pro Person je nach Länge), teile dir ein Taxi oder nimm einen Mietwagen (ab ca. 80–100 € pro Tag, früh reservieren – das Angebot ist klein). Die Straßen sind hervorragend, aber schmal; Schafe haben immer Vorfahrt.

Das Dorf Saksun auf den Färöern mit Grasdachkirche über der Lagune, umgeben von steilen grünen Berghängen

Saksun liegt rund 40 Autominuten von Tórshavn entfernt an einer Lagune, die sich nur bei Flut zum Meer öffnet – lohnt sich nur mit eigenem Fahrzeug oder Ausflug.

Top-Erlebnisse im Überblick

ErlebnisZeitbedarfKosten
Tinganes & Regierungsviertel45–60 Min.kostenlos
Altstadt Reyn & Kathedrale45–60 Min.kostenlos
Fort Skansin30–45 Min.kostenlos
Kirkjubøur2–2,5 Std. inkl. FahrtTaxi/Tour ab ca. 40–60 € p. P.
Saksun2,5–3 Std. inkl. FahrtTour ab ca. 60–80 € p. P.
Gjógv3,5–4 Std. inkl. FahrtTour ab ca. 80–100 € p. P.

Welche Ausflüge lohnen sich – und welche nicht?

Die ehrliche Antwort: In Tórshavn lohnt sich fast jeder Ausflug ins Grüne, denn die Landschaft ist der Star der Färöer, und die Stadt selbst ist in zwei bis drei Stunden erlebt. Saksun und Gjógv sind die Klassiker – wer beide an einem Tag kombinieren will, braucht eine organisierte Tour und mindestens sechs Stunden Landzeit. Weniger empfehlenswert bei kurzer Liegezeit: Fahrten zum Wasserfall Múlafossur in Gásadalur auf der Nachbarinsel Vágar – traumhaft, aber mit Tunnel- und Fahrlogistik schnell bei über einer Stunde pro Strecke, dazu wetteranfällig. Und wer einfach nur die Atmosphäre aufsaugen will, macht auch ohne Ausflug nichts falsch: Tinganes im Morgenlicht, ein Zimtschneckenstopp in der Bäckerei, Schafe an den Hängen über der Stadt – das ist bereits sehr färöisch.

Praktisches für deinen Tag in Tórshavn

  • Zwiebellook statt Wettervertrauen: Regenjacke, warme Schicht und feste Schuhe – auch wenn beim Auslaufen die Sonne scheint. Der Spruch „Gefällt dir das Wetter nicht, warte fünf Minuten" ist hier Alltag.
  • Bezahlen: Färöische und dänische Kronen gelten gleichermaßen, aber praktisch alles läuft über Karte – Bargeld ist verzichtbar.
  • Sonntage beachten: Viele Geschäfte und manche Cafés bleiben sonntags geschlossen; Touren und Restaurants am Hafen laufen aber meist.
  • Kostenlose Stadtbusse nutzen: Die roten Busse fahren gratis – praktisch bei Regen oder für den Weg zum Nationalmuseum außerhalb des Zentrums.
  • Seegang einplanen: Die Anfahrt durch den Nordatlantik kann ruppig sein – wer empfindlich ist, findet in unserem Ratgeber Seekrankheit vorbeugen die wichtigsten Tipps.

Fazit

Tórshavn ist der seltene Hafen, in dem schon der Spaziergang vom Schiff ein Höhepunkt ist: Tinganes und Reyn liegen direkt am Pier, Fort Skansin gleich darüber – die Stadt verlangt weder Shuttle noch Eintritt. Wer mehr Zeit hat, investiert sie in Saksun oder Gjógv und sieht Landschaften, die auf Nordatlantik-Routen ihresgleichen suchen. Auf vielen Reisen liegen die Färöer zwischen den Orkney-Inseln und Island – mehr zu diesen Routen findest du auf unserer Nordeuropa-Seite.

Tórshavn ist ein Hafen im Fahrtgebiet Nordeuropa. Dort findest du alle Infos zu Reisezeit, Routen und passenden Reedereien.