Die St.-Magnus-Kathedrale aus rotem Sandstein überragt die Häuser von Kirkwall auf den Orkney-Inseln

Kirkwall

Kirkwall auf eigene Faust: St.-Magnus-Kathedrale, Ring of Brodgar, Skara Brae und Highland Park – der komplette Hafenguide für die Orkney-Inseln.

Anleger

Hatston Pier (ca. 2 km, Shuttle) oder Stadtpier direkt im Zentrum

Zentrum

Hatston Pier ca. 2 km, Stadtpier wenige Gehminuten

Währung

Pfund Sterling (GBP)

Sprache

Englisch

Kirkwall, Hauptort der Orkney-Inseln nördlich von Schottland, wirkt auf den ersten Blick beschaulich: rund 9.000 Einwohner, eine Einkaufsstraße, ein kleiner Hafen. Doch die Insel dahinter gehört archäologisch zu den spannendsten Orten Europas – die Steinkreise und das 5.000 Jahre alte Dorf Skara Brae sind älter als Stonehenge und die Pyramiden von Gizeh und als „Heart of Neolithic Orkney" UNESCO-Welterbe. Dazu kommen eine normannische Kathedrale aus leuchtend rotem Sandstein, eine der nördlichsten Whisky-Destillerien Schottlands und eine bewegende kleine Kapelle italienischer Kriegsgefangener. Für einen Hafentag ist das fast zu viel – dieser Guide hilft beim Priorisieren.

Ankommen: Hatston Pier oder Stadtpier

Die meisten Kreuzfahrtschiffe legen am Hatston Pier an, einem Industriepier rund 2 Kilometer nordwestlich des Zentrums. Zu Fuß ist der Weg wenig reizvoll (ca. 25–30 Minuten entlang der Straße), aber in der Regel verkehrt ein Shuttlebus ins Zentrum – je nach Reederei kostenlos oder für wenige Pfund. Kleinere Schiffe machen direkt am Stadtpier fest, von dort stehst du in fünf Gehminuten vor der Kathedrale. Tendern ist in Kirkwall die Ausnahme, kommt bei mehreren Schiffen gleichzeitig aber vor.

Wichtig für die Planung: Die archäologischen Highlights liegen nicht in Kirkwall selbst, sondern 10 bis 30 Fahrminuten westlich. Ohne Ausflug, Mietwagen oder Taxi siehst du sie nicht – die Stadt allein füllt einen halben Tag, die Insel einen ganzen.

Kirkwall auf eigene Faust: Das schaffst du in 4–8 Stunden

Vormittag: St.-Magnus-Kathedrale und Altstadt (1,5–2 Stunden)

Die St.-Magnus-Kathedrale ist das Wahrzeichen der Inseln: 1137 unter norwegischer Herrschaft begonnen, gebaut aus rotem und gelbem Sandstein, der je nach Licht regelrecht glüht. Innen beeindrucken die wuchtigen normannischen Pfeiler und die Grabplatten aus Jahrhunderten Inselgeschichte (Eintritt frei, Spende erbeten, ca. 30–45 Minuten). Direkt gegenüber liegen die Ruinen von Bishop's Palace und Earl's Palace (ca. 5 £), dahinter beginnt die schmale Einkaufsstraße Albert Street mit Wollläden, Bäckereien und Orkney-Silberschmuck. Die ganze Altstadt ist in einer guten Stunde erkundet.

Mittags bis nachmittags: Die Jungsteinzeit-Tour (3–4 Stunden)

Das eigentliche Highlight liegt im Westen der Hauptinsel: Der Ring of Brodgar, ein Steinkreis von 104 Metern Durchmesser aus der Zeit um 2500 v. Chr., frei zugänglich und auf einer schmalen Landenge zwischen zwei Seen dramatisch gelegen. Nur fünf Fahrminuten entfernt stehen die Standing Stones of Stenness, deren höchste Steine fast sechs Meter aufragen – älter als Brodgar und ebenfalls kostenlos. Beide Stopps zusammen brauchen mit Fotopausen etwa eine Stunde vor Ort.

Der Steinkreis Ring of Brodgar auf Orkney mit mehreren aufrecht stehenden Steinen in grüner Landschaft

Der Steinkreis Ring of Brodgar ist älter als Stonehenge und frei zugänglich – bei tief stehender Sonne wirken die Steine am eindrucksvollsten.

Weiter westlich an der Bucht von Skaill liegt Skara Brae, ein jungsteinzeitliches Dorf, das ein Sturm 1850 aus den Dünen freilegte: Steinhäuser mit Betten, Regalen und Feuerstellen, rund 5.000 Jahre alt und erstaunlich gut erhalten (Eintritt ca. 12–15 £, inkl. Besucherzentrum und Herrenhaus Skaill House, ca. 1–1,5 Stunden). Wer nur ein Ziel außerhalb Kirkwalls schafft, nimmt Skara Brae – Ticket in der Saison vorab online buchen, an Kreuzfahrttagen sind die Zeitfenster begrenzt.

Für die Rundtour brauchst du ein Fahrzeug: Taxis bieten ab Kirkwall Pauschal-Rundfahrten an (ca. 3 Stunden ab ca. 120–150 £ pro Wagen – zu viert geteilt fair), Mietwagen gibt es ab ca. 60–80 £ pro Tag (früh reservieren, das Angebot ist klein), daneben lokale Kleinbus-Touren ab ca. 40–60 £ pro Person. Der Linienbus ist mit umsteigen und dünnem Takt für einen Hafentag zu riskant.

Alternativ oder zusätzlich: Highland Park und Italian Chapel (je 1–1,5 Stunden)

Am südlichen Stadtrand von Kirkwall – etwa 25 Gehminuten oder eine kurze Taxifahrt vom Zentrum – destilliert Highland Park seit 1798 einen der bekanntesten Insel-Whiskys Schottlands, mit eigener Mälzerei und torfigem Charakter. Führungen mit Verkostung ab ca. 15–20 £, vorab online reservieren. Wer keinen Whisky mag, dem sei die Italian Chapel auf der kleinen Insel Lamb Holm ans Herz gelegt (ca. 15 Fahrminuten südlich): Italienische Kriegsgefangene bauten sich im Zweiten Weltkrieg aus zwei Wellblechhütten, Schrott und viel Farbe eine komplette kleine Kirche mit gemalten „Fresken" – ein bewegender Ort (Eintritt ca. 3–4 £).

Top-Erlebnisse im Überblick

ErlebnisZeitbedarfKosten
St.-Magnus-Kathedrale30–45 Min.kostenlos (Spende erbeten)
Altstadt & Albert Streetca. 1 Std.kostenlos
Ring of Brodgar & Standing Stones of Stenness1 Std. vor Ort (plus Anfahrt)kostenlos
Skara Brae & Skaill House1–1,5 Std. (plus Anfahrt)ca. 12–15 £
Highland Park Distillery1–1,5 Std.Führung ab ca. 15–20 £
Italian Chapel30 Min. (plus Anfahrt)ca. 3–4 £

Welche Ausflüge lohnen sich – und welche nicht?

Kirkwall ist einer der Häfen, in denen ein organisierter Ausflug oder eine geteilte Taxitour tatsächlich sinnvoll ist: Die Highlights liegen verstreut, öffentliche Verkehrsmittel sind dünn, und die klassische Kombination „Brodgar + Stenness + Skara Brae" deckt genau das ab, was du selbst ansteuern würdest. Vergleiche die Schiffsausflüge mit lokalen Anbietern – Letztere sind oft kleiner und günstiger, dann aber auf eigenes Risiko bei Verspätung. Weniger lohnend an einem kurzen Hafentag: Fahrten zu den Old Man of Hoy-Aussichtspunkten (lange Anfahrt plus Fährlogistik) oder reine Panorama-Busrundfahrten ohne Skara-Brae-Eintritt. Wer lieber in der Stadt bleibt, hat mit Kathedrale, Palästen, Albert Street und Highland Park einen entspannten halben Tag – und dazu die Gewissheit, den Rückweg zum Schiff in zehn Minuten zu schaffen.

Praktisches für deinen Tag in Kirkwall

  • Wetterlagen ernst nehmen: Orkney ist baumlos und windig – am Ring of Brodgar pfeift es fast immer. Winddichte Jacke und Mütze gehören auch im Sommer ins Tagesgepäck.
  • Skara-Brae-Ticket vorbuchen: An Tagen mit mehreren Schiffen sind die Slots schnell weg; ohne Online-Ticket riskierst du eine Absage vor Ort.
  • Bezahlen: Kartenzahlung funktioniert fast überall, auch an den kleinen Ständen. Ein paar Pfund Bargeld schaden für Spendenboxen (Kathedrale, Italian Chapel) nicht.
  • Zeitbudget fürs Taxi teilen: Am Pier und am Stadtpier findest du oft Mitreisende für eine geteilte Inselrunde – das drückt den Preis pro Person deutlich.
  • Kosten im Blick behalten: Ausflüge, Taxis und Verkostungen summieren sich auf Nordland-Routen schnell – unser Ratgeber zu den Nebenkosten an Bord und an Land hilft beim Kalkulieren.

Fazit

Kirkwall ist klein, die Insel dahinter groß: Wer nur durch die Stadt bummelt, verpasst mit Ring of Brodgar und Skara Brae zwei der eindrucksvollsten prähistorischen Stätten Europas. Plane deshalb früh, wie du mobil wirst – Ausflug, geteiltes Taxi oder Mietwagen. Auf den meisten Routen liegt Kirkwall zwischen Edinburgh und den Färöern oder Island – wie es weitergeht, liest du in unseren Guides zu Tórshavn und Reykjavik. Einen Überblick über alle Häfen der Region gibt unsere Nordeuropa-Seite.

Kirkwall ist ein Hafen im Fahrtgebiet Nordeuropa. Dort findest du alle Infos zu Reisezeit, Routen und passenden Reedereien.