Vulkanisch geprägte isländische Naturlandschaft am Nordatlantik

Reykjavik

Reykjavik auf eigene Faust: Hallgrímskirkja, Harpa, Golden Circle oder Blaue Lagune und Walbeobachtung – der komplette Hafenguide für Island.

Anleger

Pier Skarfabakki, ca. 4 km östlich des Zentrums

Zentrum

Shuttle/Bus 10–15 Min. oder 45–60 Min. zu Fuß

Währung

Isländische Krone (ISK)

Sprache

Isländisch, Englisch

Reykjavik ist die nördlichste Hauptstadt der Welt – und für viele Nordeuropa-Kreuzfahrten der exotischste Hafen der Route. Die Stadt selbst ist klein, bunt und an einem halben Tag gut zu erlaufen: die Betonkathedrale Hallgrímskirkja, das gläserne Konzerthaus Harpa, die Einkaufsstraße Laugavegur. Die eigentliche Attraktion Islands liegt aber vor den Toren der Stadt – Geysire, Wasserfälle, Vulkanlandschaften. Deshalb stellt dieser Hafen dich vor eine echte Entscheidung: Stadt oder Golden Circle? Beides an einem Tag wird eng. Und wer von der Blauen Lagune träumt, muss vor allem eines wissen: ohne Vorabbuchung läuft dort gar nichts.

Ankommen: Skarfabakki und der Weg ins Zentrum

Die meisten Kreuzfahrtschiffe legen am Skarfabakki-Pier im Frachthafen Sundahöfn an, rund 4 Kilometer östlich des Zentrums. Kleinere Schiffe bekommen gelegentlich einen Platz am Alten Hafen (Miðbakki) direkt in der Innenstadt – das ist die Luxusvariante, aber die Ausnahme. Ab Skarfabakki hast du drei Optionen: den Shuttlebus der Reederei (oft ca. 10–20 € für den Tag, manchmal kostenlos), den städtischen Linienbus ab Haltestelle nahe dem Terminal (ca. 700–800 ISK) oder den Fußweg – gut 45–60 Minuten, immerhin größtenteils an der Uferpromenade entlang, vorbei an der Skulptur Sun Voyager. Taxis sind reichlich vorhanden, aber isländisch teuer (ins Zentrum ca. 3.000–4.000 ISK).

Reykjavik auf eigene Faust: Das schaffst du in 6–9 Stunden

Vormittag: Hallgrímskirkja und Altstadt (2 Stunden)

Die Hallgrímskirkja thront über der Stadt wie eine erstarrte Basaltorgel – die expressionistische Betonkirche ist Islands bekanntestes Bauwerk und von fast überall sichtbar. Der Kirchenraum ist schlicht und (gegen kleinen Beitrag bzw. frei zugänglich je nach Anlass) schnell gesehen; das eigentliche Highlight ist die Aussichtsplattform im Turm (ca. 1.400 ISK, Aufzug): Von oben liegt dir das Meer aus bunten Blechdächern zu Füßen, dahinter Bucht und Berge. Danach schlenderst du die Skólavörðustígur – die Straße mit dem Regenbogen-Pflaster – hinunter zur Einkaufsstraße Laugavegur und weiter in die Altstadt rund um Parlament, Domkirche und den kleinen See Tjörnin.

Die markante Betonfassade der Hallgrímskirkja mit der Leifur-Eriksson-Statue davor

Mittags: Hotdog-Kult und Harpa (1–1,5 Stunden)

Mittagessen auf Isländisch: Am Kult-Stand Bæjarins Beztu Pylsur gibt es den berühmten Lamm-Hotdog „mit allem" für ca. 700–900 ISK – vermutlich die einzige günstige Mahlzeit der Stadt. Wer es gediegener mag, findet in den Straßen ringsum Suppenlokale (Fischsuppe ca. 2.500–3.200 ISK). Danach sind es fünf Minuten zum Konzerthaus Harpa am Wasser: Die Glasfassade aus tausenden sechseckiger Waben, inspiriert von Basaltsäulen, glitzert je nach Licht in anderen Farben – das Foyer ist kostenlos zugänglich und lohnt auch bei Regen.

Nachmittag: Walbeobachtung oder Hafenviertel (2–3,5 Stunden)

Vom Alten Hafen, zehn Gehminuten von der Harpa, starten mehrmals täglich Walbeobachtungstouren in die Faxaflói-Bucht (ca. 3 Stunden, ca. 11.000–14.000 ISK): Zwergwale, Weißschnauzendelfine und mit Glück Buckelwale – die Sichtungsquote liegt im Sommer hoch, eine Garantie gibt es nicht, seriöse Anbieter bieten bei Nullrunde ein Gratis-Zweitticket. Wichtig: Nur buchen, wenn zwischen Rückkehr und Auslaufen mindestens zwei Stunden Puffer liegen. Die entspannte Alternative: das alte Hafenviertel Grandi mit Fischrestaurants, kleinen Museen (z. B. Whales of Iceland) und Blick auf die Berge – oder ein Bad im Stadtthermalbad Sky Lagoon (ca. 20 Autominuten, ab ca. 9.000–13.000 ISK, ebenfalls vorab reservieren).

Welche Ausflüge lohnen sich – und welche nicht?

Der Golden Circle – Þingvellir-Nationalpark (Kontinentalgraben und historischer Thingplatz), das Geothermalfeld Geysir mit dem alle paar Minuten ausbrechenden Strokkur und der doppelstufige Wasserfall Gullfoss – ist der Island-Klassiker und als 7–8-Stunden-Tour ab Schiff gut machbar (Reederei ca. 110–160 €, lokale Anbieter ab ca. 80–110 €). Die ehrliche Einordnung: Es ist ein Bus-Tag mit drei spektakulären Stopps, und für die Stadt bleibt danach praktisch keine Zeit. Wer Island zum ersten Mal sieht, macht mit dem Golden Circle trotzdem nichts falsch – die Landschaft ist der Grund, warum Schiffe überhaupt hierher fahren.

Der Wasserfall Gullfoss stürzt in zwei Stufen in die Schlucht des Hvítá-Flusses

Die Blaue Lagune bei Grindavík (ca. 50 Minuten Fahrt) ist das berühmteste Thermalbad der Welt – milchig-blaues Geothermalwasser in schwarzer Lava. Zwei Dinge musst du wissen: Erstens ist der Eintritt mit ab ca. 9.000–12.000 ISK happig, zweitens sind die Zeitfenster in der Saison oft Tage bis Wochen im Voraus ausverkauft – spontan am Kai entscheiden funktioniert nicht. Entweder als Reederei-Ausflug buchen oder selbst frühzeitig Slot plus Transfer sichern. Wer nur „heiße Quelle" will, fährt günstiger und näher zur Sky Lagoon. Sparen kannst du dir kurze Stadtrundfahrten per Bus: Reykjaviks Kern ist fußläufig, und der Charme steckt in den Seitenstraßen, nicht an den Bushaltepunkten.

Top-Erlebnisse im Überblick

ErlebnisZeitbedarfKosten
Hallgrímskirkja mit Turm1 Std.Turm ca. 1.400 ISK
Harpa & Altstadtbummel1,5–2 Std.kostenlos
Walbeobachtung Faxaflóica. 3 Std.ca. 11.000–14.000 ISK
Golden Circle (organisiert)7–8 Std.ca. 80–160 €
Blaue Lagune inkl. Transfer4–5 Std.ab ca. 9.000–12.000 ISK + Transfer

Praktische Tipps für deinen Tag in Reykjavik

  • Bezahlen: Island ist noch konsequenter bargeldlos als Skandinavien – selbst öffentliche Toiletten nehmen Karte. ISK-Bargeld brauchst du nicht.
  • Preise: Island ist eines der teuersten Länder Europas – Kaffee ca. 700 ISK (rund 4,50 €), Hauptgericht 3.500–5.500 ISK. Der Hotdog-Stand ist die Budget-Rettung.
  • Blaue Lagune & Sky Lagoon nur mit Reservierung: Zeitfenster vorab online buchen – idealerweise, sobald der Reiseplan feststeht.
  • Wetter: „Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte fünf Minuten" ist hier Programm – Wind- und Regenjacke auch im Juli, dazu Sonnenbrille. Alles am selben Tag.
  • Mobilfunk: Island gehört zum EWR – EU-Roaming funktioniert hier in den meisten deutschen Tarifen ohne Aufpreis (anders als in Norwegen). Kurz prüfen schadet trotzdem nicht.
  • Zeitpuffer für Skarfabakki: Rechne für den Rückweg zum Pier mit Shuttle-Wartezeiten – gerade wenn mehrere Schiffe im Hafen liegen.

Fazit

Reykjavik zwingt dich zur Wahl: ein entspannter Stadttag mit Hallgrímskirkja, Harpa und Walbeobachtung – oder der Golden Circle als konzentrierte Dosis isländischer Naturgewalt. Beides ist ein guter Tag; wer zum ersten Mal auf der Insel ist und einen langen Hafenaufenthalt hat, kombiniert die Tour mit einem kurzen Abendbummel. Nur die Blaue Lagune verzeiht keine Spontaneität – hier entscheidet die Vorabbuchung. Mehr Häfen des hohen Nordens findest du in unserem Überblick zu Nordeuropa, das arktische Kontrastprogramm liefert unser Guide zu Honningsvåg und dem Nordkap – und welche Monate sich für Island-Kreuzfahrten eignen, klärt der Ratgeber zur besten Reisezeit.

Reykjavik ist ein Hafen im Fahrtgebiet Nordeuropa. Dort findest du alle Infos zu Reisezeit, Routen und passenden Reedereien.