Palma de Mallorca hat ein Image-Problem: Wer den Namen hört, denkt zuerst an Ballermann, Bierkönig und die Schinkenstraße in Playa de Palma. Dabei liegt der eigentliche Kreuzfahrthafen kilometerweit von diesem Trubel entfernt, direkt vor den Toren einer der schönsten Altstädte im westlichen Mittelmeer. Gotische Kathedrale, verwinkelte Gassen, gehobene Gastronomie und das Tramuntana-Gebirge als Kulisse – Palma verdient einen Tag ohne Vorurteile.
Ankommen: Vom Pier in die Altstadt
Kreuzfahrtschiffe legen am Muelle de Poniente oder Muelle de Levante an, den beiden großen Hafenmolen westlich und östlich der Altstadt. Die Entfernung zum Zentrum liegt je nach Terminal zwischen 2 und 3 Kilometern.
- Shuttle-Bus: An den meisten Terminals verkehrt ein kostenpflichtiger Shuttle zur Kathedrale bzw. zum Parc de la Mar, Fahrzeit 10–15 Minuten, meist 5–8 € pro Person hin und zurück.
- Zu Fuß: Bei gutem Wetter ist der Spaziergang entlang der Uferpromenade Passeig Marítim durchaus machbar – rund 30–40 Minuten mit Blick auf die Skyline und die Kathedrale, die schon von Weitem sichtbar ist.
- Taxi: Direkt am Terminal verfügbar, ins Zentrum zahlst du meist 12–18 €.
- Öffentlicher Bus: Linie EMT 1 verkehrt vom Hafenbereich in die Stadt, günstiger als der Shuttle, aber mit etwas Fußweg zur Haltestelle.
Palma auf eigene Faust: Das schaffst du in 4–8 Stunden
Vormittag: Kathedrale La Seu & Almudaina (2 Stunden)
Die gotische Kathedrale La Seu thront direkt über dem Meer und ist das Wahrzeichen der Stadt – innen beeindrucken vor allem das von Gaudí gestaltete Baldachin über dem Altar und die moderne Kapelle von Miquel Barceló. Eintritt kostet ca. 10 €, Zeitfensterticket vorab online empfehlenswert in der Hochsaison. Direkt daneben liegt der Almudaina-Palast, die ehemalige maurische Festung und heutige Residenz des spanischen Königshauses (Besichtigung ca. 45 Minuten).
Mittags: Casc Antic & La Llotja (1,5–2 Stunden)
Die Altstadt (Casc Antic) lädt zum Verlaufen ein: enge Gassen, versteckte Innenhöfe, kleine Boutiquen und Cafés. Nicht verpassen: die gotische Handelsbörse La Llotja und der Markt Mercat de l'Olivar, wo sich Einheimische mit Tapas und frischem Fisch verpflegen – deutlich authentischer als die Touristenrestaurants am Hafen. Wer sich für zeitgenössische Kunst interessiert, findet im Es Baluard – einem Museum in einer ehemaligen Festungsanlage direkt über dem Meer – eine kompakte, aber sehenswerte Sammlung spanischer Moderne. Die Einkaufsstraße Passeig del Born mit ihren schattigen Platanen verbindet Kathedrale und Altstadt und eignet sich gut für eine kurze Verschnaufpause mit Kaffee.
Nachmittag: Bellver Castle oder Strand (1,5–2 Stunden)
Wer noch Zeit hat, wählt zwischen zwei sehr unterschiedlichen Programmen: Das kreisrunde Castell de Bellver aus dem 14. Jahrhundert liegt auf einem Hügel im Westen der Stadt und bietet einen der schönsten Ausblicke über Bucht und Altstadt (mit Taxi oder Bus erreichbar, Eintritt ca. 4 €). Alternativ lockt einer der Stadtstrände wie Cala Major mit kristallklarem Wasser – deutlich ruhiger als Playa de Palma und in 15–20 Minuten mit dem Taxi erreichbar.
Welche Ausflüge lohnen sich – und welche nicht?
Palma selbst braucht keinen organisierten Ausflug – die Altstadt ist kompakt und leicht zu Fuß zu erkunden. Anders sieht es bei den Ausflügen ins Tramuntana-Gebirge aus: Die Bergdörfer Valldemossa und Deià sowie die historische Sóller-Bahn liegen 30–60 Fahrminuten entfernt und sind mit dem Mietwagen oder öffentlichen Bus zeitlich knapp für einen Achtstundentag – hier lohnt sich ein Reederei-Ausflug, der Fahrzeit und Rückkehr zum Schiff garantiert. Die oft beworbenen Drachenhöhlen (Cuevas del Drach) bei Manacor liegen dagegen über eine Stunde entfernt und fressen bei kurzer Liegezeit zu viel Zeit – nur bei einem sehr langen Hafentag empfehlenswert.
Top-Sehenswürdigkeiten im Überblick
| Sehenswürdigkeit | Zeitbedarf | Eintritt |
|---|---|---|
| Kathedrale La Seu | 45–60 Min. | ca. 10 € |
| Almudaina-Palast | 45 Min. | ca. 8 € |
| Casc Antic (Altstadt) | 1–1,5 Std. | kostenlos |
| Castell de Bellver | 1 Std. inkl. Anfahrt | ca. 4 € |
| Es Baluard Museum | 45–60 Min. | ca. 6 € |
Praktische Tipps für deinen Tag in Palma
- Sicherheit: Palma gilt als sehr sicher, in den Touristenzonen und am Bahnhof ist übliche Vorsicht vor Taschendieben angebracht.
- Essen: Neben Tapas lohnt sich die mallorquinische Spezialität Ensaimada (süßes Schneckengebäck) zum Kaffee – frisch gibt es sie in kleinen Bäckereien abseits der Hafenpromenade deutlich günstiger als in Touristencafés.
- Zeitpuffer: Bei Anreise per Taxi oder Bus genügt normalerweise ein Zeitpuffer von 45–60 Minuten vor „Alle an Bord", da der Verkehr in Hafennähe meist zügig fließt.
- Beste Reisezeit: Frühling (April–Juni) und Herbst (September–Oktober) bieten angenehme Temperaturen ohne die Hitze und den Andrang des Hochsommers – dann ist auch die Altstadt deutlich entspannter zu erkunden.
- Sprache: Katalanisch (Mallorquí) ist neben Spanisch Amtssprache und auf Straßenschildern präsent – mit Spanisch oder Englisch kommst du überall problemlos durch.
- Ballermann-Distanz: Playa de Palma mit seiner Partymeile liegt rund 8 km östlich der Altstadt und hat mit dem historischen Zentrum praktisch nichts gemein – wer die ruhige Seite Palmas sucht, muss sich um diesen Stadtteil keine Sorgen machen.
Fazit
Palma de Mallorca ist einer der am meisten unterschätzten Häfen im Mittelmeer, weil viele Reisende ihn vorschnell mit dem Party-Image von Playa de Palma gleichsetzen. Wer stattdessen die Kathedrale La Seu, die Altstadtgassen und einen Ausblick von Bellver Castle einplant, erlebt einen der elegantesten Hafentage der Region – mit dem Tramuntana-Gebirge als lohnender Ergänzung für alle mit etwas mehr Zeit. Mehr zu den anderen Häfen im westlichen Mittelmeer findest du in unserem Mittelmeer-Überblick, und wer seine Kreuzfahrt noch plant, findet in unserem Ratgeber zu Frühbucher- und Last-Minute-Strategien hilfreiche Tipps für die Buchung.

























