La Spezia selbst ist eine ehrliche italienische Hafen- und Marinestadt – kein Postkartenmotiv, aber sympathisch unaufgeregt. Angelaufen wird sie vor allem wegen ihrer weltberühmten Nachbarschaft: Die Cinque Terre, fünf bunte Dörfer an der ligurischen Steilküste, sind vom Bahnhof La Spezia Centrale in weniger als zehn Minuten Zugfahrt erreichbar. Damit ist La Spezia einer der Häfen im Mittelmeer, an denen sich der Landgang auf eigene Faust am meisten lohnt – wenn du ein paar Dinge über Züge, Tickets und Menschenmengen weißt. Genau darum geht es in diesem Guide.
Ankommen: Vom Molo Garibaldi zum Bahnhof
Kreuzfahrtschiffe machen am Molo Garibaldi fest, einer Pier im Handelshafen östlich des Zentrums. Das Hafengelände darfst du nicht frei durchqueren – ein Shuttle (je nach Reederei kostenlos oder für wenige Euro) bringt dich zum Hafenausgang am Rand der Innenstadt. Von dort hast du zwei Optionen:
- Zu Fuß: Der Bahnhof La Spezia Centrale liegt rund 1,5 Kilometer vom Hafenausgang entfernt, quer durch die Fußgängerzone Via del Prione und am Ende leicht bergauf – plane 20–25 Minuten ein.
- Taxi: Direkt am Hafenausgang, zum Bahnhof zahlst du ca. 10–15 €. Bei knapper Liegezeit oder müden Beinen gut investiert.
Verwechslungsgefahr besteht nicht: La Spezia Centrale ist der einzige relevante Bahnhof für die Cinque-Terre-Züge, und praktisch alle Regionalzüge Richtung Levanto/Genua halten in den fünf Dörfern.
La Spezia auf eigene Faust: Das schaffst du in 6–8 Stunden
Der Klassiker ist eindeutig: vormittags zwei bis drei Cinque-Terre-Dörfer, nachmittags entweder ein weiteres Dorf, der Rückweg über Portovenere oder ein entspannter Stadtbummel. Wer alle fünf Dörfer an einem Hafentag „abhaken" will, hetzt nur – zwei bis drei Orte mit Zeit zum Schauen sind das deutlich bessere Erlebnis.
Vormittag: Mit dem Zug in die Cinque Terre (3,5–4 Stunden)
Am Bahnhof (oder vorab online) kaufst du die Cinque-Terre-Card Treno: Sie gilt für beliebig viele Fahrten auf der Strecke La Spezia–Levanto und schließt die gebührenpflichtigen Küstenwanderwege ein. Der Preis ist saisonabhängig, rechne je nach Tag mit ca. 20–33 € pro Person. Bei nur zwei geplanten Fahrten können Einzeltickets (ca. 5–8 € pro Fahrt in der Saison) günstiger sein – nachrechnen lohnt sich.
Die Züge fahren in der Saison etwa alle 15–30 Minuten. Ein bewährter Ablauf: zuerst bis Vernazza, dem vielleicht schönsten der fünf Dörfer, mit seinem winzigen Naturhafen und der Piazza direkt am Wasser. Danach weiter oder zurück nach Manarola oder Riomaggiore – beide bieten die ikonischen Blicke auf bunte Häuser über der Steilküste, jeweils nach 10–15 Minuten Fußweg zum jeweiligen Aussichtspunkt.

Wer gut zu Fuß ist, ersetzt eine Zugfahrt durch ein Stück Küstenwanderweg – etwa Monterosso–Vernazza (ca. 1,5–2 Stunden, anstrengend, aber mit den besten Ausblicken der Region; in der Cinque-Terre-Card enthalten). Der berühmte flache Weg Via dell'Amore zwischen Riomaggiore und Manarola ist nur teilweise und mit Zeitfenster-Reservierung begehbar – vorher informieren.
Mittags: Focaccia und Pesto (ca. 1 Stunde)
Ligurien ist die Heimat des Pesto – Trofie al Pesto kosten in den Dörfern ca. 12–16 €, ein Stück Focaccia auf die Hand 3–4 €, ein Kegel frittierte Meeresfrüchte (Frittura) ca. 8–10 €. In Monterosso, dem größten Dorf mit Sandstrand, findest du die größte Auswahl und am ehesten einen freien Tisch; in Vernazza ist es mittags am vollsten.
Nachmittag: Portovenere oder La Spezia selbst (2–3 Stunden)
Zurück in La Spezia hast du zwei gute Optionen. Option eins: Portovenere, das „sechste" Dorf außerhalb des Nationalparks – mit bunter Häuserzeile am Hafen, der spektakulär auf einer Felsspitze stehenden Kirche San Pietro und deutlich weniger Trubel als in den Cinque Terre. Hin kommst du mit dem Bus 11/P ab Zentrum (ca. 30 Minuten, wenige Euro) oder per Ausflugsboot ab der Uferpromenade.

Option zwei: gemütlich durch La Spezia bummeln. Die Fußgängerzone Via del Prione verbindet Hafen und Bahnhofsviertel, mit Cafés, Läden und echtem italienischem Alltag statt Souvenirmeile. Kunstfreunde sollten das Museo Amedeo Lia einplanen (ca. 10 €), eine erstaunlich hochkarätige Privatsammlung mit Werken von Tizian bis Canaletto – und fast immer angenehm leer.
Welche Ausflüge lohnen sich – und welche nicht?
Die Cinque Terre brauchst du nicht als organisierten Ausflug: Der Zug fährt ohnehin für alle gleich, und auf eigene Faust bist du flexibler und sparst leicht 60–100 € pro Person. Sinnvoll kann ein Reederei-Ausflug per Boot sein – die Perspektive auf die Dörfer vom Meer aus ist grandios und auf eigene Faust nur mit den (in der Saison vollen) Linienbooten zu haben. Ausflüge nach Florenz sind ehrlich gesagt ein Gewaltmarsch: gut 2,5 Stunden Busfahrt pro Richtung für zwei, drei Stunden vor Ort. Pisa ist die realistischere Alternative (ca. 1 Stunde pro Richtung, auch per Direktzug ab La Spezia machbar) – aber nur, wenn du die Cinque Terre schon kennst. Bei Seegang beachten: Boote nach Portovenere und entlang der Küste fallen bei rauer See kurzfristig aus, der Zug fährt immer.
Top-Erlebnisse im Überblick
| Erlebnis | Zeitbedarf | Kosten |
|---|---|---|
| Cinque Terre per Zug (2–3 Dörfer) | 4–5 Std. | Cinque-Terre-Card ca. 20–33 € |
| Küstenwanderung Monterosso–Vernazza | 1,5–2 Std. | in der Card enthalten |
| Portovenere per Bus oder Boot | 2–3 Std. | Bus wenige Euro, Boot ca. 15–25 € |
| Museo Amedeo Lia | 1–1,5 Std. | ca. 10 € |
| Bootsrundfahrt Cinque Terre ab Hafen | 3–4 Std. | ca. 30–40 € |
Praktische Tipps für deinen Tag in La Spezia
- Früh los: Die Cinque Terre sind ab dem späten Vormittag voll, besonders wenn mehrere Schiffe im Hafen liegen. Wer mit einem der ersten Züge fährt, erlebt die Dörfer noch halbwegs ruhig.
- Tickets entwerten: Einzeltickets und teils auch die Card müssen vor Fahrtantritt an den Automaten entwertet bzw. aktiviert werden – Kontrollen sind häufig, die Strafen empfindlich.
- Rückwegpuffer: Plane mindestens einen Zug Reserve ein. Verspätungen sind auf der Strecke normal, und in Italien kommt es immer wieder zu angekündigten Bahnstreiks – morgens kurz die Lage prüfen.
- Schuhwerk: Auch ohne Wanderung sind die Dörfer steil, mit vielen Treppen und Kopfsteinpflaster. Feste Schuhe statt Flipflops – mehr dazu in unserer Packliste für die Kreuzfahrt.
- Bezahlen: Kartenzahlung klappt fast überall, für Focaccia-Bäcker und Busfahrkarten sind ein paar Euro Bargeld trotzdem praktisch.
- Badesachen: Monterosso hat einen richtigen Sandstrand – im Sommer ist ein Bad im Meer die perfekte Mittagspause.
Fazit
La Spezia ist der perfekte Do-it-yourself-Hafen: Zug rein, zwei bis drei Traumdörfer erleben, nachmittags Portovenere oder ein entspannter Stadtbummel – für einen Bruchteil des Ausflugspreises. Die Stadt selbst drängt sich nicht auf, hat mit Via del Prione und Museo Lia aber mehr zu bieten, als ihr Ruf vermuten lässt. Auf vielen Routen liegt am Vortag oder Folgetag Genua – Liguriens raue, unterschätzte Hauptstadt und ein spannender Kontrast zu den Bilderbuchdörfern. Einen Überblick über alle Häfen der Region findest du auf unserer Mittelmeer-Seite.

























