Mykonos ist das Postkartenbild der Kykladen: weiß gekalkte Würfelhäuser, blaue Fensterläden, Windmühlen über dem Meer – und im Hochsommer eine der meistbesuchten Inseln Griechenlands. Für Kreuzfahrer beginnt der Tag hier mit einer Besonderheit: Je nach Schiff und Auslastung tenderst du direkt vor die Altstadt oder legst am neuen Hafen Tourlos an, rund zwei Kilometer nördlich. Beides ist gut machbar, verlangt aber unterschiedliche Planung. Dieser Guide zeigt dir, wie du zwischen Chora-Gassen, Klein-Venedig und dem antiken Delos das Beste aus deinem Hafentag holst – und wie du den größten Menschenmassen ausweichst.
Ankommen: Tender oder Tourlos – zwei Szenarien
Auf Mykonos gibt es zwei Varianten, und welche dich erwartet, erfährst du meist erst kurz vorher im Tagesprogramm:
- Tender in den alten Hafen: Kleinere Schiffe oder Schiffe ohne Liegeplatz ankern in der Bucht und bringen dich per Tenderboot direkt an den alten Hafen am Rand der Chora. Von dort stehst du in zwei Gehminuten in den ersten Gassen. Rechne für den Tendervorgang je Richtung 20–30 Minuten ein, bei voller Auslastung auch mehr – das geht von deiner Landzeit ab.
- Pier am neuen Hafen Tourlos: Größere Schiffe machen am Pier in Tourlos fest, rund 2 km nördlich der Altstadt. In die Chora kommst du mit dem Seabus (kleines Pendelboot, ca. 2–3 € pro Strecke, alle 20–30 Minuten), per Reederei-Shuttle oder zu Fuß in etwa 30 Minuten am Wasser entlang – der Fußweg ist machbar, aber schattenlos und teils schmal an der Straße.
Praktisch: Der Seabus legt direkt am alten Hafen an, du startest also an derselben Stelle wie die Tendergäste.
Mykonos auf eigene Faust: Das schaffst du in 4–8 Stunden
Vormittag: Chora-Gassen & Klein-Venedig (2–2,5 Stunden)
Die Chora (Mykonos-Stadt) ist ein Labyrinth aus engen, weiß getünchten Gassen – angeblich einst so verwinkelt angelegt, um Piraten zu verwirren, heute perfekt, um sich treiben zu lassen. Konkrete Ziele brauchst du kaum: Die Paraportiani-Kirche am Rand des alten Hafens, eine der meistfotografierten Kirchen Griechenlands, und die Matogianni-Straße mit ihren Boutiquen ergeben sich beim Schlendern von selbst. Am westlichen Rand der Altstadt liegt Klein-Venedig (Little Venice): Häuserzeilen aus dem 18. Jahrhundert, deren hölzerne Balkone direkt über dem Wasser hängen. Vormittags gehört der Blick dir fast allein – abends zahlst du in den Bars hier deutlich mehr für denselben Ausblick.

Mittags: Die Windmühlen von Kato Mili (30–45 Minuten)
Von Klein-Venedig sind es nur wenige Gehminuten hinauf zu den Windmühlen von Kato Mili, dem Wahrzeichen der Insel. Die fünf rundlichen Mühlen aus dem 16. Jahrhundert mahlten einst Getreide für die vorbeifahrenden Schiffe – heute sind sie das Fotomotiv schlechthin, mit Blick über Klein-Venedig und die Bucht. Der Besuch kostet nichts und ist schnell erledigt; plane die Zeit eher für Fotos und eine Pause in einem der Cafés unterhalb ein (Frappé ca. 4–5 €).

Nachmittag: Strand oder zweite Runde Altstadt (2–3 Stunden)
Wer nach der Altstadt Meer will, hat Optionen in Reichweite: Der Stadtstrand Agia Anna ist zu Fuß erreichbar, aber klein. Besser sind die Buchten an der Südküste – Ornos und Platis Gialos erreichst du mit dem Linienbus ab Chora (ca. 2 €, 15–20 Minuten) oder Taxi (ca. 15–20 €). Beide sind organisierte Strände mit Liegen (ab ca. 15–25 € für zwei Liegen mit Schirm, in der Hochsaison teils deutlich mehr). Die Partystrände Paradise und Super Paradise lohnen sich für einen Hafentag kaum – die Anfahrt ist länger und die Atmosphäre auf Abend ausgelegt.
Delos: Der Ausflug für Geschichtsinteressierte – mit Zeitplanung
Die unbewohnte Nachbarinsel Delos ist eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten Griechenlands: Geburtsort des Apollon in der Mythologie, im Altertum ein religiöses und wirtschaftliches Zentrum der Ägäis, heute UNESCO-Welterbe mit Löwenterrasse, Tempelresten und Mosaiken. Ausflugsboote starten am alten Hafen der Chora, die Überfahrt dauert etwa 30 Minuten (Boot ca. 25 € hin und zurück, Eintritt ca. 12 €).
Der entscheidende Punkt ist die Zeitrechnung: Boote fahren meist vormittags (ca. 9–11 Uhr) hinüber und nachmittags zurück, du bist also inklusive Überfahrten und Aufenthalt schnell 4–5 Stunden unterwegs. Das funktioniert nur bei einer großzügigen Liegezeit – und beim Tendern musst du zusätzlich die Rückfahrt zum Schiff einkalkulieren. Prüfe vor dem Ticketkauf die letzte Rückfahrt von Delos gegen deine All-Aboard-Zeit und lass mindestens 1,5 Stunden Puffer. Montags ist die Ausgrabungsstätte in der Nebensaison teils geschlossen – vorab prüfen. Auf Delos gibt es kaum Schatten und nur ein kleines Café: Wasser, Hut und feste Schuhe mitnehmen.

Top-Erlebnisse im Überblick
| Erlebnis | Zeitbedarf | Kosten |
|---|---|---|
| Chora-Gassen & Paraportiani-Kirche | 1,5–2 Std. | kostenlos |
| Klein-Venedig | 30–45 Min. | kostenlos (Drinks in den Bars ab ca. 10 €) |
| Windmühlen von Kato Mili | 30–45 Min. | kostenlos |
| Delos-Ausflug | 4–5 Std. | Boot ca. 25 €, Eintritt ca. 12 € |
| Strand Ornos / Platis Gialos | 2–3 Std. | Bus ca. 2 €, Liegen ab ca. 15–25 € |
Welche Ausflüge lohnen sich – und welche nicht?
Ehrlich gesagt: Für Mykonos-Stadt selbst brauchst du keinen organisierten Ausflug. Die Chora liegt direkt am Tenderanleger bzw. eine kurze Seabus-Fahrt entfernt, und verlaufen ist hier Teil des Programms. Sinnvoll ist ein Reederei-Ausflug vor allem für Delos, wenn deine Liegezeit knapp ist – die organisierten Touren sind auf die Schiffszeiten abgestimmt und nehmen dir das Rückfahrt-Risiko ab, kosten dafür aber meist 70–100 € statt knapp 40 € in Eigenregie. Inselrundfahrten zu Klöstern und Dörfern wie Ano Mera sind nett, aber kein Muss: Der Charakter der Insel zeigt sich in der Chora dichter als im Hinterland. Und noch eine Realitätsnotiz: An Tagen mit drei oder mehr Schiffen im Hafen wird es in den Gassen ab dem späten Vormittag sehr voll – wer früh von Bord geht, hat die schönsten Ecken zwei Stunden fast für sich.
Praktisches für deinen Tag auf Mykonos
- Tender-Geduld einplanen: Bei voller Auslastung bilden sich morgens Schlangen an den Tenderbooten – wer zu den Ersten gehört, gewinnt die ruhigsten Stunden in der Chora.
- Meltemi-Wind: Der Nordwind kann im Sommer kräftig blasen – dann fällt der Seegang beim Tendern und auf der Delos-Überfahrt spürbar aus. Empfindliche Mägen finden Tipps in unserem Ratgeber Seekrankheit vorbeugen.
- Preise im Blick behalten: Mykonos ist eine der teuersten Inseln Griechenlands – ein einfaches Mittagessen mit Getränk kostet schnell 20–30 € pro Person. Abseits der ersten Wasserlinie wird es günstiger.
- Kein Stadtplan nötig, aber ein Fixpunkt: Die Gassen sind verwirrend – merke dir die Windmühlen oder den alten Hafen als Orientierungspunkt für den Rückweg.
- All-Aboard-Zeit doppelt prüfen: Besonders bei Tender-Betrieb gilt die Zeit für das letzte Tenderboot, nicht für das Schiff – der Unterschied kann 30–60 Minuten betragen.
Fazit
Mykonos ist ein Hafentag der kurzen Wege: Chora, Klein-Venedig und Windmühlen liegen dicht beieinander und sind in einem entspannten halben Tag erlebt – der Rest der Zeit gehört dem Strand oder, bei langer Liegezeit, dem antiken Delos. Wer die Kykladen-Kombination mag, findet im Guide zu Santorini das zweite große Inselhighlight vieler Ägäis-Routen, und in Piräus das Tor nach Athen. Einen Überblick über alle Häfen der Region gibt unsere Mittelmeer-Seite.

























