Das im Reisepreis inbegriffene Hauptrestaurant ist auf den meisten Kreuzfahrten bereits gut, oft sogar sehr gut – trotzdem buchen viele Passagiere während der Reise mindestens einmal eines der kostenpflichtigen Spezialrestaurants dazu. Der Aufpreis liegt je nach Schiff und Konzept zwischen 15 und über 100 Euro pro Person, und wer nicht weiß, wofür er eigentlich bezahlt, ist schnell enttäuscht. Dieser Ratgeber erklärt, welche Spezialrestaurant-Konzepte üblich sind, was sie kosten und in welchen Situationen sich der Aufpreis tatsächlich lohnt.
Was Spezialrestaurants von Hauptrestaurant und Buffet unterscheidet
Auf den meisten Schiffen gibt es drei Verpflegungsebenen: das im Reisepreis enthaltene Buffet-Restaurant für lockere Mahlzeiten zu flexiblen Zeiten, das ebenfalls inkludierte Hauptrestaurant mit Bedienung und mehrgängigem Menü, und darüber die kostenpflichtigen Spezialrestaurants. Der Unterschied liegt selten nur an der Qualität der Zutaten – Hauptrestaurants kochen inzwischen auf den meisten Schiffen ordentlich bis richtig gut –, sondern vor allem an drei Dingen: kleinere, ruhigere Räume statt großer Speisesäle, ein fokussiertes statt breites Menü mit einem klaren kulinarischen Konzept, und ein persönlicherer Service mit weniger Tischen pro Kellner.
Die häufigsten Spezialrestaurant-Konzepte
Die genaue Auswahl unterscheidet sich von Reederei zu Reederei und teils von Schiff zu Schiff, aber ein paar Konzepte tauchen fast überall auf:
- Steakhouse: Hochwertige Cuts, oft als Tomahawk oder Tomahawk-Alternative, dazu eine kleine Auswahl an Beilagen und Saucen zur individuellen Kombination. Meist das teuerste, aber auch beliebteste Konzept.
- Italienisch oder Französisch gehoben: Mehrgängige Menüs mit Pasta, Risotto oder klassischer französischer Küche, oft mit deutlich aufwendigerer Präsentation als im Hauptrestaurant.
- Asiatisch/Sushi/Teppanyaki: Sushi-Theken zum Selbstzusammenstellen oder Teppanyaki-Grillplatten, an denen der Koch direkt am Tisch brutzelt – bei Familien mit älteren Kindern besonders beliebt.
- Chef's Table oder Degustationsmenü: Ein mehrgängiges Überraschungsmenü, oft mit Weinbegleitung, meist auf eine kleine Teilnehmerzahl pro Abend begrenzt und deutlich teurer als die anderen Konzepte.
- Grill/Barbecue am Poolbereich: Tagsüber oder am frühen Abend, meist die günstigste Spezialrestaurant-Variante, manchmal sogar inklusive.
Was der Aufpreis typischerweise kostet
Es gibt grob zwei Abrechnungsmodelle:
- Feste Cover Charge: Ein Pauschalpreis pro Person für ein mehrgängiges Menü, meist zwischen 25 und 55 Euro, beim Steakhouse oder Chef's Table auch deutlich darüber. Getränke sind dabei fast nie inbegriffen, siehe dazu auch unseren Vergleich der Getränkepakete.
- À-la-carte-Abrechnung: Einzelne Gerichte werden separat berechnet, was bei sparsamer Bestellung günstiger, bei großzügiger Bestellung aber schnell teurer als die Pauschale ausfallen kann.
Wer während der Reise mehrfach in Spezialrestaurants essen möchte, fährt mit einem Dining-Paket oft günstiger: Für einen Festpreis sind darin drei, vier oder mehr Besuche in ausgewählten Spezialrestaurants enthalten, meist mit einem spürbaren Rabatt gegenüber der Einzelbuchung. Diese Pakete lohnen sich rechnerisch fast immer schon ab dem zweiten oder dritten geplanten Besuch – ein Blick in die Gesamtkalkulation der Reise gehört ohnehin in jede Vorabplanung, siehe Was kostet eine Kreuzfahrt wirklich?.
Wann sich der Aufpreis lohnt
- Besondere Anlässe: Hochzeitstag, Geburtstag oder ein Formal-Night-Abend, an dem ohnehin schon elegante Kleidung getragen wird – siehe Dresscode an Bord –, sind der klassische Anlass für ein Spezialrestaurant.
- Längere Reisen: Bei zehn oder mehr Tagen an Bord wird das tägliche Hauptrestaurant-Menü irgendwann vorhersehbar, ein bis zwei Abwechslungsabende tun dann spürbar gut.
- Echte kulinarische Interessen: Wer ohnehin gerne und bewusst isst, bekommt in Spezialrestaurants meist tatsächlich die beste Küche an Bord, nicht nur die teuerste.
- Seetage: An Tagen ohne Landausflug ist mehr Zeit für ein ausgedehntes Abendessen, ohne dass am nächsten Morgen ein früher Ausflug ansteht.
Wann sich der Aufpreis eher nicht lohnt
- Kurze Reisen unter einer Woche: Bei drei oder vier Nächten bleibt oft schon kaum Zeit, das inkludierte Hauptrestaurant überhaupt vollständig kennenzulernen.
- Reisen mit kleinen Kindern: Spezialrestaurants sind meist auf ein ruhigeres, langsameres Esserlebnis ausgelegt, das mit müden oder unruhigen Kleinkindern selten entspannt funktioniert – oft ist der Miniclub-Abend im Buffet die stressfreiere Wahl.
- Schiffe mit besonders starkem Hauptrestaurant-Konzept: Auf manchen Schiffen ist die Grenze zwischen inkludierter und kostenpflichtiger Küche ohnehin fließend – ein Blick in aktuelle Bewertungen zum jeweiligen Schiff lohnt sich vor der Buchung.
- Wer knapp kalkuliert: Bei zwei oder drei Personen und mehreren Besuchen kommen schnell dreistellige Beträge zusammen, die im Reisebudget eingeplant sein sollten.
Unterschiede zwischen Mainstream-, Premium- und Luxusreedereien
Wie viele Spezialrestaurants ein Schiff hat und wie hoch der Aufpreis ausfällt, hängt stark vom Reedereisegment ab. Große Mainstream-Reedereien bieten auf ihren neueren, größeren Schiffen oft eine ganze Restaurantstraße mit vier bis acht verschiedenen Spezialkonzepten – hier lohnt sich vor der Reise ein Blick in die schiffsspezifische Restaurantübersicht, da sich das Angebot selbst innerhalb derselben Reederei von Schiff zu Schiff deutlich unterscheiden kann. Premium-Reedereien kalkulieren einzelne Spezialitätenabende teils schon in den Grundpreis ein oder verlangen nur eine symbolische Servicegebühr statt einer vollen Cover Charge. Bei Luxuslinien mit sehr kleinen Schiffen ist dagegen oft das gesamte Bordrestaurant-Angebot bereits im Reisepreis inbegriffen, separate Spezialrestaurants mit Aufpreis gibt es dort seltener – dort verschiebt sich die Frage „Lohnt sich der Aufpreis?" ohnehin auf die grundsätzliche Wahl der Reederei.
Reservierung: Früh buchen zahlt sich aus
Die beliebtesten Spezialrestaurants – vor allem Steakhouse und Chef's Table – sind an attraktiven Abenden (Seetage, erster und letzter Abend, Formal Night) häufig schon Wochen vor Reisebeginn ausgebucht. Die meisten Reedereien erlauben eine Vorabreservierung über die eigene App oder das Online-Portal, sobald die Buchung abgeschlossen ist – wer sich einen bestimmten Abend oder eine bestimmte Uhrzeit wünscht, bucht am besten schon vor der Einschiffung statt erst an Bord, siehe auch die generellen Vorbereitungen zum ersten Tag an Bord. Wer spontan an Bord entscheidet, hat oft noch Chancen bei früheren oder späteren Uhrzeiten oder an weniger nachgefragten Wochentagen wie einem Landausflugstag.
Fazit
Spezialrestaurants sind kein Muss, aber für besondere Anlässe, längere Reisen und echtes kulinarisches Interesse eine lohnende Ergänzung zum inkludierten Bordrestaurant. Wer mehrfach speisen möchte, kommt mit einem Dining-Paket meist günstiger weg als mit Einzelbuchungen, und eine frühe Reservierung sichert die begehrtesten Termine. Wer dagegen kurz an Bord ist, knapp kalkuliert oder mit kleinen Kindern reist, verpasst mit dem inkludierten Hauptrestaurant in aller Regel nichts Entscheidendes.
