Kreditkarte im Sand zwischen Sonnenhut, Sonnenbrille und einem Cocktail am Strand

"Bordguthaben-Aktionen: Wie viel sind sie wirklich wert?"

Bordguthaben als Buchungsbonus klingt verlockend – was hinter den Aktionen wirklich steckt, wie man den Wert einschätzt und wann sich der Vergleich lohnt.

Buchung26. Juli 2026

„Bis zu 300 € Bordguthaben geschenkt" – kaum eine Buchungsaktion der großen Reedereien kommt ohne diesen Lockruf aus. Bordguthaben klingt nach barem Geld, ist aber an Bord an Regeln gebunden, die den tatsächlichen Wert für die eigene Reise stark verändern können. Dieser Ratgeber zeigt, wie Bordguthaben-Aktionen funktionieren, wo die Fallstricke liegen und wie man selbst ausrechnet, ob eine Aktion den Ausschlag für eine Buchung geben sollte.

Was Bordguthaben überhaupt ist

Bordguthaben (englisch häufig „Onboard Credit" oder OBC) ist ein Betrag, den die Reederei einer Buchung gutschreibt und der ausschließlich an Bord verrechnet wird – nicht bar auszahlbar und in aller Regel auch nicht auf den Reisepreis selbst anrechenbar. Es landet automatisch auf dem Bordkonto, über das ohnehin alle Ausgaben an Bord laufen: Getränke, Trinkgelder, Spa-Anwendungen, Foto-Pakete, Landausflüge der Reederei, manchmal auch der Wifi-Zugang. Am Ende der Reise verrechnet die Reederei das Guthaben automatisch mit der Rechnung, bevor die hinterlegte Kreditkarte belastet wird.

Woher Bordguthaben kommt

Bordguthaben-Aktionen tauchen aus mehreren Quellen auf, die sich auch kombinieren lassen:

  • Direkte Buchungsaktionen der Reederei, meist zeitlich befristet und oft an bestimmte Kabinenkategorien oder Routen gebunden.
  • Reisebüro- oder Vermittler-Boni, bei denen der Vertriebspartner einen Teil seiner Provision als Bordguthaben an den Kunden weitergibt – dazu mehr im Vergleich Kreuzfahrt-Reisebüro vs. Online-Buchung vs. Direktbuchung.
  • Treueprogramme, die Stammgästen ab einer bestimmten Anzahl gefahrener Kreuzfahrten automatisch Guthaben für künftige Reisen gutschreiben.
  • Kreditkarten-Kooperationen einzelner Reedereien, bei denen Punkte in Bordguthaben umgewandelt werden können.
  • Kompensation bei Programmänderungen, etwa wenn ein Hafen ausfällt oder sich der Reiseplan kurzfristig ändert – hier ist Bordguthaben oft die einzige Entschädigungsform, die die Reederei anbietet.

Die Fallstricke: Warum 200 € nicht immer 200 € wert sind

Der auf dem Papier stehende Betrag ist nicht automatisch das, was am Ende ankommt:

  • Non-refundable vs. refundable OBC: Nicht ausgegebenes „non-refundable" Guthaben verfällt am Ende der Reise ersatzlos, während „refundable" Guthaben als Restbetrag ausgezahlt oder gutgeschrieben wird. Die meisten Aktions-Guthaben sind non-refundable – ein Anreiz, während der Reise mehr auszugeben, als ursprünglich geplant war.
  • Bindung an bestimmte Ausgabenkategorien: Manche Aktionen gelten nur für Spa, Fotopakete oder Landausflüge der Reederei, nicht für Getränke oder das allgemeine Bordkonto.
  • Keine Anrechnung auf Trinkgelder-Vorauszahlung bei einigen Reedereien, wenn diese separat vor Reiseantritt abgebucht wird statt über das Bordkonto zu laufen.
  • Kombinierbarkeit begrenzt: Wer mehrere Rabatt- und Guthaben-Aktionen gleichzeitig erwartet, wird oft enttäuscht – viele Reedereien schließen eine Kombination aus Frühbucherrabatt, Vermittler-Bonus und Aktions-Guthaben ausdrücklich aus.
  • Pro Kabine statt pro Person: Ein beworbener Betrag von „bis zu 300 €" bezieht sich häufig auf die gesamte Kabine bei zwei zahlenden Personen, nicht auf jeden Gast einzeln.
Junge Frau bezahlt an einer Bartheke Cocktails kontaktlos mit einer Karte am Kartenlesegerät
Bordguthaben wird meist automatisch mit der Bordkarte verrechnet – am Ende der Reise zeigt die Endabrechnung, wie viel davon tatsächlich für Getränke draufgegangen ist.

Wie man den tatsächlichen Wert für die eigene Reise einschätzt

  1. Ausgabenverhalten realistisch einschätzen: Wer ohnehin ein Getränkepaket bucht (siehe Getränkepakete im Vergleich) und kaum zusätzlich an Bord ausgibt, für den ist non-refundable Guthaben schnell hinfällig – es verfällt eher, als dass es sinnvoll verbraucht wird.
  2. Bedingungen der Aktion genau lesen: Ablaufdatum, Ausgabenkategorien und ob das Guthaben „refundable" ist, stehen meist im Kleingedruckten der Buchungsbestätigung, nicht in der Werbeanzeige.
  3. Guthaben in Relation zum Gesamtpreis setzen: 100 € Bordguthaben bei einer 3.000-€-Kreuzfahrt sind ein netter Bonus, aber selten der entscheidende Faktor gegenüber einem tatsächlich günstigeren Gesamtpreis bei einem anderen Anbieter.
  4. Vergleich mit einem echten Preisnachlass anstellen: Ein Rabatt auf den Reisepreis selbst ist immer flexibler nutzbar als zweckgebundenes Bordguthaben – bei der Wahl zwischen zwei ähnlich teuren Angeboten sollte der Barrabatt in der Regel höher gewichtet werden.
  5. Mehrere Angebote parallel einholen: Reisebüros bieten für dieselbe Kreuzfahrt teils unterschiedlich hohes Bordguthaben als eigenen Bonus – ein Vergleich zwischen mehreren Vermittlern lohnt sich, bevor man die erstbeste Aktion bucht.

Wofür sich Bordguthaben am ehesten lohnt

Bordguthaben entfaltet den größten Wert, wenn man es gezielt für Dinge einsetzt, die ohnehin geplant waren: eine Spa-Behandlung, ein Abendessen im Spezialitätenrestaurant (siehe Spezialrestaurants: Lohnt der Aufpreis?), ein gebuchter Landausflug der Reederei oder das Foto-Paket am Ende der Reise. Wer sein Bordguthaben erst am letzten Tag entdeckt, greift dagegen oft zu Impulskäufen im Bordshop, die man ohne das drohende Verfallsdatum nicht getätigt hätte – ökonomisch betrachtet ist das kein Gewinn, sondern zusätzliche Ausgabe.

Ein Rechenbeispiel aus der Praxis

Angenommen, zwei Reisende buchen eine einwöchige Mittelmeerkreuzfahrt für 1.800 € und erhalten dabei eine Aktion mit „150 € Bordguthaben pro Kabine, non-refundable". Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Rabatt von gut 8 Prozent. Tatsächlich hängt der reale Wert davon ab, was ohnehin an Bord ausgegeben worden wäre:

SzenarioGeplante BordausgabenTatsächlicher Nutzen des Guthabens
Getränkepaket schon inklusive, kaum Zusatzausgabenca. 50 €Nur 50 € werden sinnvoll verbraucht, 100 € verfallen
Ein Spezialitätenrestaurant und eine Spa-Anwendung geplantca. 180 €Volle 150 € werden angerechnet, Rest zahlt die Kreditkarte
Kein zusätzliches Bordbudget eingeplant0 €Guthaben verfällt vollständig oder führt zu Spontankäufen

Der Vergleich zeigt: Derselbe Aktions-Betrag kann je nach Reiseverhalten zwischen „vollem Wert" und „praktisch wertlos" liegen. Wer vorab realistisch plant, was er an Bord ausgeben will, kann diesen Unterschied schon bei der Buchungsentscheidung berücksichtigen.

Häufige Missverständnisse bei Bordguthaben-Aktionen

  • „Bis zu X €" ist kein Festbetrag: Der beworbene Höchstwert gilt oft nur für die teuerste Kabinenkategorie oder die längste buchbare Route – bei einer kürzeren oder günstigeren Kabine fällt das tatsächliche Guthaben häufig niedriger aus.
  • Guthaben ist nicht gleich Ermäßigung auf den Katalogpreis: Es wird erst nach der Buchung auf dem Bordkonto gutgeschrieben, taucht also in keiner Preisanzeige vor der Buchung auf – ein Vergleichsportal, das Bordguthaben nicht ausweist, zeigt deshalb nicht automatisch den ungünstigeren Preis.
  • Nicht jede Kabine profitiert gleich: Bei manchen Aktionen ist das Guthaben nach Kabinenkategorie gestaffelt, sodass eine Balkonkabine mehr Guthaben erhält als eine Innenkabine bei identischer Reise.

Fazit

Bordguthaben ist ein netter Bonus, aber kein Ersatz für einen echten Preisvergleich: Es ist zweckgebunden, oft non-refundable und lässt sich selten mit anderen Rabatten kombinieren. Wer eine Aktion prüft, sollte immer fragen, ob das Guthaben refundable ist, für welche Kategorien es gilt und ob der beworbene Betrag pro Kabine oder pro Person gerechnet wird. Am Ende zählt der Gesamtpreis der Reise – Bordguthaben ist die Kirsche auf der Torte, nicht die Torte selbst.