Funchal auf Madeira ist streng genommen gar kein Kanaren-Hafen – die portugiesische Blumeninsel liegt rund 450 Kilometer nördlich –, aber auf fast jeder Kanaren-Kreuzfahrt ist sie der grüne Kontrapunkt zu den Vulkaninseln: steile, üppig bewachsene Hänge, Blumenpracht das ganze Jahr und eine Hafenstadt, die sich wie ein Amphitheater um die Bucht legt. Dank des ganzjährig milden Klimas (18–25 Grad) funktioniert Funchal in jeder Saison; die meisten Schiffe kommen im Winterhalbjahr vorbei (mehr zur besten Reisezeit).
Ankommen: Über die Promenade in die Stadt
Kreuzfahrtschiffe legen an der langen Hafenmole westlich des Zentrums an. Vom Schiff bis zur Stadtmitte sind es rund 2 Kilometer – ein flacher, schöner Spaziergang von 25–30 Minuten immer an der Uferpromenade entlang, mit Blick zurück aufs Schiff. Wer nicht laufen mag: Viele Reedereien bieten einen Shuttle (ca. 5 €), Taxis in die Innenstadt kosten ca. 8–10 €. Wichtig zu wissen: Funchal selbst ist eben nur direkt am Wasser – alles dahinter geht bergauf, teils steil.
Funchal auf eigene Faust: Das schaffst du in 6–8 Stunden
Vormittag: Seilbahn nach Monte & Korbschlitten (2,5–3 Stunden)
Das Signature-Erlebnis von Funchal beginnt an der Talstation in der Altstadt: Die Seilbahn nach Monte schwebt in 15–20 Minuten über Dächer und Schluchten auf rund 550 Meter hinauf (ca. 13,50 € einfach, ca. 20 € hin und zurück). Oben lohnen die Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte und der Monte Palace Tropical Garden (ca. 15 €), ein verwunschener Hanggarten mit Koiteichen, Azulejos und Aussichtsterrassen. Die berühmt-berüchtigte Abfahrt: Mit den Korbschlitten (Carreiros do Monte) rutschst du in einem Weidenkorb auf Holzkufen die asphaltierten Gassen hinunter, gelenkt von zwei Männern in weißen Anzügen mit Strohhut – seit über 100 Jahren Tradition, ca. 2 Kilometer in 10 Minuten, ca. 35 € für zwei Personen. Ehrliche Einordnung: Es ist touristisch, kurz und nicht billig – aber es ist eben auch das Erlebnis, von dem alle erzählen. Wer verzichtet, fährt einfach mit der Seilbahn zurück. Achtung: Der Schlitten endet nicht in der Stadt, sondern auf halber Höhe – von dort sind es noch ca. 30 Minuten bergab zu Fuß oder ein Taxi (ca. 10 €).

Mittags: Markthalle & Altstadt (1,5 Stunden)
Zurück im Zentrum liegt die Mercado dos Lavradores, die Art-déco-Markthalle von 1940: unten Blumenfrauen in Tracht und Gemüsestände, im Obergeschoss exotische Früchte, im Seitentrakt die Fischhalle mit den schwarzen Degenfischen, Madeiras Spezialität. Ein ehrlicher Hinweis: Die Obsthändler lassen dich großzügig probieren – die aufgerufenen Preise (gern 10–15 € pro Frucht-Mix) sind aber happig, freundlich nachfragen lohnt. Danach schlenderst du durch die Zona Velha, die Altstadt mit ihren kunstvoll bemalten Türen in der Rua de Santa Maria, und isst dort zu Mittag – Espetada (Fleischspieß) oder Degenfisch mit Banane, ca. 12–18 € pro Person.

Nachmittag: Botanischer Garten oder Kathedrale & Poncha (2–2,5 Stunden)
Pflanzenfreunde nehmen Bus oder Taxi (ca. 10 Minuten) zum Botanischen Garten oberhalb der Stadt (ca. 7,50 €): terrassierte Beete mit über 2.000 Arten und ein weiter Blick über Bucht und Hafen. Wer lieber im Zentrum bleibt: Die Kathedrale Sé mit ihrer maurisch inspirierten Holzdecke (kostenlos), die Fußgängerzonen rund um die Avenida Arriaga und zum Abschluss eine Poncha – Madeiras Zuckerrohrschnaps-Cocktail mit Honig und Zitrone (ca. 4–5 €) – in einer der alten Bars. Und die Levada-Frage: Die berühmten Wanderwege entlang der historischen Wasserkanäle sind ein Madeira-Muss, aber die schönsten Routen starten weit außerhalb – für einen Hafentag auf eigene Faust sind sie nur mit Taxi-Arrangement oder Tour realistisch.
Welche Ausflüge lohnen sich – und welche nicht?
Seilbahn, Korbschlitten, Markt und Altstadt organisierst du problemlos selbst – der Reederei-Ausflug „Monte mit Korbschlitten" (ca. 60–90 €) kostet fast das Doppelte der Einzeltickets und nimmt dir nur das Anstehen ab. Richtig sinnvoll sind organisierte Touren für alles außerhalb der Stadt: eine geführte Levada-Wanderung (ca. 50–80 €, inklusive Transfer in den Norden oder ins Hochland), die Steilklippe Cabo Girão mit Skywalk auf 580 Metern (oft kombiniert mit dem Fischerdorf Câmara de Lobos) oder das Nonnental (Curral das Freiras) im Gebirgskessel. Die Inselstraßen sind steil und kurvig – wer nicht gern selbst fährt, ist hier mit Tour oder Taxi-Tagestour (ca. 120–150 € pro Wagen) besser bedient als mit dem Mietwagen.
Top-Erlebnisse im Überblick
| Erlebnis | Zeitbedarf | Kosten |
|---|---|---|
| Seilbahn nach Monte (hin & zurück) | 1–1,5 Std. | ca. 20 € |
| Monte Palace Tropical Garden | 1–1,5 Std. | ca. 15 € |
| Korbschlittenfahrt | 30 Min. inkl. Wartezeit | ca. 35 € für 2 Personen |
| Mercado dos Lavradores & Zona Velha | 1,5 Std. | kostenlos |
| Botanischer Garten | 1,5–2 Std. | ca. 7,50 € |
| Geführte Levada-Wanderung | 4–5 Std. | ca. 50–80 € |
Praktische Tipps für deinen Tag in Funchal
- Bequeme Schuhe sind Pflicht: Kopfsteinpflaster, Steigungen und die glatt polierten Gassen von Monte – Flipflops sind hier die falsche Wahl (Packliste-Tipps).
- Wetter wechselt schnell: Sonne unten, Wolken auf Monte – eine leichte Regenjacke gehört ins Tagesgepäck, gerade im Winterhalbjahr.
- Seilbahn-Warteschlangen: Liegen mehrere Schiffe im Hafen, bilden sich ab 10 Uhr Schlangen an der Talstation – früh starten oder Online-Ticket kaufen.
- Korbschlitten-Kasse: Bezahlt wird bar oder mit Karte an der Station in Monte; die Fahrer freuen sich über ein kleines Trinkgeld (1–2 €).
- Markt-Preise checken: An den Obstständen vor dem Kauf nach dem Preis fragen – Probieren ist kostenlos, die Tüte danach oft überraschend teuer.
- Sonntags ist die Markthalle geschlossen und die Altstadt ruhiger – dann lieber Botanischer Garten und Monte in den Mittelpunkt stellen.
Fazit
Funchal ist einer der rundesten Hafentage im Atlantik: Das Pflichtprogramm aus Seilbahn, Monte und Markthalle organisierst du günstig selbst, und wer Madeira tiefer erleben will, hängt eine geführte Levada-Wanderung an – dafür lohnt sich fast schon ein zweiter Anlauf. Wie die Blumeninsel mit den Vulkaninseln der Route zusammenpasst, liest du in unserem Kanaren-Überblick und im Hafenguide zu Teneriffa; was unterwegs an Nebenkosten zusammenkommt, kalkulierst du mit unserem Ratgeber zum Trinkgeld an Bord.



