Kaum ein Thema sorgt an Bord so zuverlässig für Ärger wie das Rauchen – auf der einen Seite Passagiere, die auf ihre Zigarette am Balkon nicht verzichten wollen, auf der anderen Seite Nichtraucher, die sich über Rauchgeruch in der Nachbarkabine beschweren. Weil ein Feuer auf See zu den gefährlichsten Szenarien überhaupt zählt, gehen die Reedereien beim Brandschutz keine Kompromisse ein: Die Regeln sind auf praktisch allen großen Schiffen strenger, als viele Erstkreuzfahrer erwarten. Wer weiß, wo Rauchen erlaubt ist und wo nicht, erspart sich unangenehme Überraschungen und teure Strafgebühren.
Die Grundregel: Kabine und Balkon sind fast überall tabu
Bei so gut wie allen großen Reedereien gilt seit einigen Jahren ein striktes Rauchverbot in den Kabinen und auf den Kabinenbalkonen – und zwar unabhängig davon, ob eine Innen-, Außen- oder Balkonkabine gebucht wurde. Der Grund liegt auf der Hand: Balkone liegen dicht nebeneinander, ein weggeworfener Zigarettenstummel oder eine unbeaufsichtigte Glut kann sich bei Wind rasant auf die Nachbarbalkone oder die Außenhaut des Schiffs ausbreiten. Fast jede Kabine ist zudem mit einem Rauchmelder ausgestattet, der bei Zigarettenrauch ebenso anschlägt wie bei echtem Feuer und im schlimmsten Fall einen kompletten Decksalarm auslöst.
Für Vielreisende mit eigener Erfahrung gilt als Faustregel: Wo früher noch „Raucherbalkone" gegen Aufpreis buchbar waren, ist das inzwischen bei den meisten Mainstream-Reedereien komplett abgeschafft. Ausnahmen bestätigen die Regel und sollten vor der Buchung im Zweifel direkt bei der Reederei erfragt werden, falls das Rauchen auf dem eigenen Balkon für die Reiseentscheidung wichtig ist.
Wo Rauchen tatsächlich erlaubt ist
Verboten heißt nicht komplett ausgeschlossen – die meisten Schiffe richten dafür klar ausgewiesene Raucherzonen ein, meist an einer bestimmten Steuerbord- oder Backbordseite eines offenen Decks, deutlich durch Schilder gekennzeichnet. Typische Orte sind:
- Ein Teilbereich des offenen Pooldecks, oft am Heck oder an einer Seite konzentriert, mit eigenen Aschenbechern
- Ein Außenbereich der Casino-Lounge, da Casinos traditionell eher raucherfreundlich sind
- Zigarren- und Pfeifen-Lounges, die es besonders auf Premium- und Luxusschiffen häufig gibt (dazu gleich mehr)
- Ein abgegrenzter Außenbereich nahe der Bar oder des Nachtclubs, je nach Schiffslayout
Innenbereiche wie Restaurants, Theater, Kinos, Spa oder die Bordbibliothek sind bei praktisch jeder Reederei komplett rauchfrei – hier gibt es keine Ausnahmen.

E-Zigaretten und Vaping: Gleiche Regeln wie beim Rauchen
Ein häufiges Missverständnis: E-Zigaretten sind an Bord keineswegs überall erlaubt, nur weil kein offenes Feuer und kein klassischer Rauch entstehen. Fast alle großen Reedereien behandeln Vaping regeltechnisch exakt wie klassisches Rauchen – auch der Dampf kann Rauchmelder auslösen und wird ebenso wenig in der Kabine oder auf dem Balkon geduldet. Wer ausschließlich dampft, sollte sich also nicht auf eine Sonderregel verlassen, sondern dieselben ausgewiesenen Raucherbereiche nutzen wie klassische Raucher.
Strafgebühren: Warum ein Zug am Balkon richtig teuer werden kann
Die Konsequenzen bei einem Verstoß sind bei den meisten Reedereien empfindlich hoch angesetzt – nicht als Willkür, sondern weil ein einzelner Fehlalarm durch Zigarettenrauch die Brandschutz-Crew zu einem vollständigen Kontrolleinsatz zwingt. Üblich sind feste Pauschalgebühren, die auf der Bordrechnung direkt belastet werden, sobald Rauch oder Rauchgeruch auf Kabine oder Balkon festgestellt wird oder ein Rauchmelder ausgelöst hat. Bei manchen Reedereien kommt zusätzlich eine Reinigungspauschale hinzu, da nikotinhaltiger Rauch sich hartnäckig in Teppich und Polstern festsetzt. Diese Zusatzkosten gehören damit zu den vermeidbaren Nebenkosten einer Kreuzfahrt, auf die viele Erstkreuzfahrer nicht vorbereitet sind.
Bei wiederholten oder besonders gravierenden Verstößen – etwa dem mutwilligen Manipulieren eines Rauchmelders – behalten sich die meisten Reedereien vor, Passagiere im nächsten Hafen von Bord zu weisen, auf eigene Kosten und ohne Erstattung der Restreise. Das ist zwar die absolute Ausnahme, zeigt aber, wie ernst das Thema Brandschutz auf See genommen wird.
Zigarren- und Pfeifenlounges: Die Ausnahme mit Stil

Wer gerne Zigarre raucht, findet vor allem auf größeren und auf Premium-Schiffen oft eine eigene Zigarren-Lounge mit Ledersesseln, eigener Belüftungsanlage und teils kleiner Auswahl an Zigarren zum Kauf. Diese Lounges sind bewusst als Rückzugsort für Genussraucher konzipiert und meist deutlich ruhiger als die offenen Raucherbereiche am Pooldeck. Auf reinen Familienschiffen oder kleineren Expeditionsschiffen fehlt ein solcher Bereich dagegen häufig komplett – ein Blick in die Deckpläne oder die Reederei-App vor der Reise lohnt sich, wenn die Zigarrenlounge für die Reiseentscheidung relevant ist.
Praktische Tipps für Raucher an Bord
- Feuerzeuge im Handgepäck: Ein normales Einweg- oder Sturmfeuerzeug ist an den meisten Terminals in Handgepäck und Kabinengepäck erlaubt, Nachfüllpacks mit Butangas dagegen meist nicht. Details dazu gehören in die Checkliste für das Handgepäck am Einschiffungstag.
- Raucherbereiche vor Reisebeginn nachschauen: Der Deckplan in der Reederei-App zeigt meist genau, wo die Raucherzonen liegen – praktisch, um sich am ersten Tag nicht durchs ganze Schiff zu fragen.
- Rauchmelder nie manipulieren: Abkleben oder Ausschalten eines Kabinen-Rauchmelders zählt bei jeder Reederei zu den schwersten Verstößen und wird mit hohen Pauschalgebühren geahndet.
- An Landausflügen lokale Regeln beachten: In vielen Häfen und historischen Altstädten gelten zusätzliche Rauchverbote, etwa in Fußgängerzonen oder bei religiösen Stätten – ein Blick in die Reiseinfos zum jeweiligen Ziel schützt vor unnötigem Ärger.
Fazit
Rauchen an Bord ist auf modernen Kreuzfahrtschiffen nicht verboten, aber klar auf ausgewiesene Außenbereiche beschränkt – Kabine und Balkon bleiben bei fast allen Reedereien tabu, E-Zigaretten eingeschlossen. Wer sich vor der Reise kurz über die Raucherzonen des gebuchten Schiffs informiert, vermeidet nicht nur Diskussionen mit der Crew, sondern auch teure Strafgebühren auf der Bordrechnung. Genussraucher finden auf größeren und Premium-Schiffen mit einer eigenen Zigarren-Lounge sogar einen echten Rückzugsort – ein Detail, das sich lohnt, schon bei der Einschiffung am ersten Tag im Kopf zu haben.
