Während klassische Kreuzfahrtschiffe mit mehreren Tausend Passagieren feste Häfen anlaufen, geht es bei Expeditionskreuzfahrten in die andere Richtung: kleine Schiffe mit oft nur 100 bis 200 Gästen, abgelegene Ziele ohne Hafeninfrastruktur und Landgänge direkt vom Schiff aus mit dem Schlauchboot. Antarktis, Arktis und Galapagos sind die bekanntesten Reviere dieser Nische – und funktionieren nach eigenen Regeln, die sich von der klassischen Hochseekreuzfahrt deutlich unterscheiden. Wie sich Expeditionskreuzfahrten grundsätzlich von anderen Schiffsreisen abgrenzen, zeigt auch der Guide Flusskreuzfahrt vs. Hochseekreuzfahrt.
Was eine Expeditionskreuzfahrt ausmacht
Drei Merkmale unterscheiden Expeditionskreuzfahrten von der klassischen Mainstream-Kreuzfahrt:
- Kleine Schiffe: Meist zwischen 100 und 250 Passagieren, teils eisverstärkter Rumpf für polare Gewässer. Große Poolanlagen, Theater oder Wasserparks gibt es hier nicht – der Fokus liegt auf Aussichtsdecks, Vortragssälen und einer Ausrüstungsstube für Stiefel und Anoraks.
- Landgänge per Zodiac: Feste Anleger fehlen an den meisten Zielen komplett. Passagiere werden gruppenweise in kleine Schlauchboote (Zodiacs) verladen und direkt an Stränden, Eisschollen oder Felsküsten abgesetzt.
- Expeditionsteam an Bord: Biologen, Geologen und Polar-Guides begleiten jede Fahrt, halten Vorträge und führen die Landgänge – die Reiseroute wird oft erst kurzfristig an Wetter, Eislage und Tierbeobachtungen angepasst, nicht an einen festen Fahrplan.
Antarktis: Die exklusivste und teuerste Route
Antarktis-Expeditionen starten meist von Ushuaia (Feuerland, Argentinien) aus und führen über die Drake-Passage – zwei bis drei Tage offene See, die je nach Wetterlage ruppig ausfallen können. Die Region unterliegt dem Antarktisvertrag und wird von der IAATO (International Association of Antarctica Tour Operators) reguliert:
- Maximal 100 Passagiere dürfen gleichzeitig an Land gehen, größere Schiffe teilen ihre Landgänge entsprechend in Gruppen auf oder verzichten auf Anlandungen.
- Strikte Hygieneregeln: Schuhe und Kleidung werden vor jedem Landgang gereinigt und desinfiziert, um keine fremden Samen, Sporen oder Krankheitserreger einzuschleppen.
- Mindestabstände zu Pinguinkolonien und anderen Tieren sind vorgeschrieben, Drohnen sind größtenteils verboten.
Die beste Reisezeit liegt zwischen November und März (antarktischer Sommer), Preise beginnen bei den günstigsten Angeboten bei etwa 6.000 bis 8.000 € pro Person für rund zehn Tage und können in Luxus-Suiten leicht das Drei- bis Vierfache erreichen. Wetterbedingt kommt es regelmäßig zu Programmänderungen – Flexibilität gehört bei dieser Reiseform zur Grundvoraussetzung.

Arktis: Spitzbergen, Grönland und die Nordwestpassage
Arktis-Expeditionen sind vielfältiger als Antarktis-Reisen und reichen von kurzen Spitzbergen-Rundfahrten bis zu mehrwöchigen Fahrten durch die Nordwestpassage. Typische Ziele:
- Spitzbergen (Svalbard): Eisbären, Walrosse und Gletscherfronten, meist als Rundfahrt ab Longyearbyen. Beste Reisezeit Juni bis September.
- Grönland: Fjordlandschaften, Inuit-Siedlungen und Eisberge, oft kombiniert mit Island oder Kanada.
- Nordwestpassage: Anspruchsvolle Mehrwochenreise durch das kanadische Nordpolarmeer, nur in wenigen Sommerwochen eisfrei genug befahrbar.
Anders als in der Antarktis gibt es in der Arktis keine einheitliche übergeordnete Schutzkonvention, sondern nationale Regelungen der jeweiligen Anrainerstaaten (Norwegen, Grönland/Dänemark, Kanada), die bei Buchung und Landgängen jeweils zu beachten sind. Wer Nordlichter, Fjorde und arktische Wildnis auf klassischerem Weg erleben möchte, findet mit Zielen wie Tromsø oder Reykjavik auch auf regulären Kreuzfahrtrouten einen guten Einstieg, ohne gleich eine reine Expeditionsreise zu buchen.
Galapagos: Streng limitierte Inselgruppe
Die Galapagos-Inseln funktionieren nochmal anders als die beiden Polarregionen: Hier sind ausschließlich kleine, staatlich lizenzierte Schiffe mit meist 16 bis 100 Passagieren zugelassen, jede Route folgt einem von der Nationalparkverwaltung vorgegebenen, streng reglementierten Besuchsplan mit festen Wegen und Guides. Highlights sind die einzigartige, oft sehr zutrauliche Tierwelt (Riesenschildkröten, Meerechsen, Blaufußtölpel) sowie Schnorchel- und Wandertouren auf ausgewiesenen Pfaden. Reisen dauern meist vier bis acht Tage und werden häufig mit einem Festlandaufenthalt in Ecuador kombiniert.

Was auf die Packliste gehört
Expeditionsreisen stellen andere Anforderungen an die Ausrüstung als eine klassische Mittelmeerkreuzfahrt:
- Wetterfeste, mehrlagige Kleidung (Zwiebelprinzip), wasserdichte Stiefel für Zodiac-Landgänge
- Fernglas und wettergeschützte Kamera-Ausrüstung
- Seekrankheitsvorsorge für die teils raue offene See (siehe Seekrankheit vorbeugen)
- Ausreichend Reiseapotheke, da medizinische Versorgung vor Ort meist nicht verfügbar ist – Details dazu im Guide Impfungen & Reiseapotheke für die Kreuzfahrt
Viele Reedereien stellen wetterfeste Expeditionsjacken als Willkommensgeschenk zur Verfügung, feste Wanderstiefel und technische Unterwäsche müssen aber meist selbst mitgebracht werden.
Für wen sich Expeditionskreuzfahrten lohnen
Diese Reiseform richtet sich klar an Reisende, die Naturerlebnis und Abgeschiedenheit über Bordunterhaltung und Entertainment stellen. Wer feste Tagesabläufe, große Buffets und Broadway-Shows schätzt, ist mit einer klassischen Reederei besser bedient – ein Blick in den Guide Welche Reederei passt zu mir? hilft bei der Einordnung. Wer dagegen bereit ist, für einzigartige Naturmomente auf Komfort und Programmsicherheit zu verzichten, findet in Antarktis, Arktis und Galapagos einige der eindrücklichsten Reiseziele überhaupt.
Buchung: Spezialisierte Veranstalter statt Standard-Reisebüro
Expeditionskreuzfahrten werden selten über dieselben Kanäle gebucht wie eine klassische Mittelmeer- oder Karibikreise. Sinnvoller ist meist ein auf Expeditionsreisen spezialisierter Veranstalter oder ein Reisebüro mit entsprechender Erfahrung, weil hier auch Details wie Kabinenlage bei Seegang, Ausrüstungsverleih an Bord oder die Qualität des Expeditionsteams verglichen werden können – Kriterien, die bei Standardbuchungen selten im Fokus stehen. Ein Vergleich lohnt sich außerdem bei den im Preis enthaltenen Leistungen: Manche Anbieter kalkulieren Landgänge, Ausrüstung und Vorträge komplett ein, andere verlangen für einzelne Zodiac-Ausflüge oder Kajaktouren Aufpreise. Wie generell bei der Wahl zwischen Reisebüro und Online-Buchung beschrieben, zahlt sich persönliche Beratung besonders bei komplexen, hochpreisigen Reisen wie diesen aus.
Fazit
Expeditionskreuzfahrten sind das Gegenstück zur Mainstream-Kreuzfahrt: kleine Schiffe, unvorhersehbare Routenänderungen, dafür Zugang zu Regionen, die auf keine andere Weise so bequem erreichbar sind. Wer sich auf Zodiac-Landgänge, wechselhaftes Wetter und einen deutlich höheren Preis einlässt, wird mit Naturerlebnissen belohnt, die auf klassischen Routen unerreichbar bleiben.
