Blick vom Bug eines Kreuzfahrtschiffs auf Backbord- und Steuerbordseite

Backbord oder Steuerbord: Welche Kabinenseite ist besser?

Backbord oder Steuerbord: Was die Begriffe bedeuten, woher sie kommen und wie du für deine Route die bessere Kabinenseite auswählst.

wissen6. Juli 2026

„Nehmt lieber eine Backbord-Kabine, da habt ihr auf dieser Route die Sonne" – solche Tipps liest man in Kreuzfahrtforen ständig, und für Einsteiger klingt das erst mal nach Fachchinesisch. Dabei steckt hinter Backbord und Steuerbord eine einfache Logik mit jahrhundertealter Geschichte, und die Wahl der richtigen Seite kann deinen Kreuzfahrturlaub tatsächlich spürbar verändern – mehr Sonne auf dem Balkon, ein besserer Blick beim Einlaufen in den Hafen oder einfach nur die Gewissheit, wo an Bord eigentlich „links" und „rechts" ist.

Backbord und Steuerbord: Die Definition

Die Regel ist einfacher, als sie klingt: Schaust du in Fahrtrichtung des Schiffes (also zum Bug), ist Backbord die linke Seite und Steuerbord die rechte Seite. Diese Zuordnung ändert sich nie, egal wie das Schiff gerade liegt oder in welche Richtung es gedreht wird – anders als „links" und „rechts", die sich je nach Blickrichtung der Person ständig ändern. Genau deshalb nutzt die Seefahrt diese festen Begriffe: Eine Anweisung wie „Rettungsboot an Backbord" ist für jeden an Bord eindeutig, unabhängig davon, wohin die Person gerade selbst schaut.

Als Merkhilfe hat sich durchgesetzt: Backbord und links haben beide vier Buchstaben – das lässt sich erstaunlich zuverlässig abrufen, wenn man an Deck kurz überlegen muss.

Woher kommen die Begriffe?

Die Herkunft ist rein nautisch-historisch und reicht bis in die Wikingerzeit zurück. Frühe Schiffe wurden nicht mit einem Ruder am Heck gesteuert, sondern mit einem großen Steuerruder, das an der rechten Heckseite ins Wasser hing – dem sogenannten „Steuerbord" (aus dem Altenglischen/Altnordischen für „Steuerseite"). Weil dieses Ruder verletzlich war, legten Schiffe grundsätzlich mit der anderen Seite am Kai an, um es nicht zu beschädigen. Diese Anlegeseite wurde zur „Backbord"-Seite – abgeleitet davon, dass man dem Ruder quasi den Rücken („back") zudrehte, wenn man rückwärts an den Kai manövrierte. Bis heute ist die Bezeichnung erhalten geblieben, obwohl moderne Schiffe längst keine seitlichen Steuerruder mehr haben.

Warum die Kabinenseite bei Kreuzfahrten überhaupt eine Rolle spielt

Auf den ersten Blick sind Backbord- und Steuerbordkabinen gleicher Kategorie identisch ausgestattet – gleiche Größe, gleicher Grundriss, gleicher Deckplan-Preis. Der Unterschied entsteht erst durch die Route und die Tageszeit, zu der bestimmte Streckenabschnitte gefahren werden:

  • Sonnenstand: Auf einer Reise mit überwiegend östlicher oder westlicher Fahrtrichtung liegt eine Seite am Morgen, die andere am Abend in der Sonne. Auf einer Nordroute wie den norwegischen Fjorden fährt das Schiff oft über Tage hinweg in eine ähnliche Himmelsrichtung – hier lohnt sich vorab ein Blick auf den Kursverlauf.
  • Blick auf die Küste: Bei Küstenfahrten (Fjorde, Karibik-Inselketten, griechische Inselwelt) liegt das Land meist überwiegend auf einer Seite. Wer die Landschaft vom Balkon genießen will, profitiert deutlich von der richtigen Kabinenseite.
  • Anlegeseite im Hafen: In vielen Häfen legen Schiffe traditionell mit derselben Seite zum Pier an. Wer vom Balkon auf die Stadt statt auf eine Hafenmauer blicken möchte, kann sich vorab erkundigen, welche Seite in den geplanten Häfen üblicherweise zum Kai zeigt.
  • Sonnenauf- und -untergang auf See: Auf Seetagen ganz ohne Küste bestimmt allein die Fahrtrichtung, ob du Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang direkt vom Balkon siehst.

Balkonkabine mit Meerblick auf einer Seite des Kreuzfahrtschiffs

Faustregeln für gängige Routen

RouteEmpfehlenswerte SeiteWarum
Norwegische Fjorde (nordwärts)SteuerbordLandschaft und Fjordwände liegen meist auf der rechten Seite in Fahrtrichtung
Karibik (westwärts, z. B. ab Florida)SteuerbordHäufig mehr Sicht auf vorbeiziehende Inseln
Mittelmeer-RundreisenWechselt je nach RouteKurs ändert sich oft mehrmals, kaum pauschal zu sagen
Transatlantik-ÜberfahrtenJe nach gewünschter SonnenseiteMorgens vs. abends auf dem Balkon sitzen

Diese Tabelle ersetzt keine Routenprüfung: Verlässlich wird die Einschätzung erst mit Blick auf den tatsächlichen Kursverlauf deiner Reise, den viele Reedereien vorab in der App oder im Reisekatalog veröffentlichen.

Wie findest du die bessere Seite für deine Reise heraus?

  1. Routenkarte studieren: Prüfe im Reisekatalog oder in der Reederei-App, in welche Himmelsrichtung das Schiff an den einzelnen Tagen hauptsächlich fährt.
  2. Sonnenauf- und -untergangszeiten gegen den Kurs legen: Grober Kompass reicht – fährt das Schiff überwiegend nach Norden, liegt die Morgensonne eher auf der Steuerbordseite, die Abendsonne eher auf Backbord (auf der Nordhalbkugel).
  3. Foren und Reiseberichte durchsuchen: Für populäre Routen wie die norwegischen Fjorde oder die griechischen Inseln gibt es oft konkrete Erfahrungswerte, welche Seite die Landschaft besser zeigt.
  4. Beim Reisebüro oder der Reederei nachfragen: Ein spezialisiertes Kreuzfahrt-Reisebüro kennt häufig gefahrene Routen und kann die bessere Seite oft aus Erfahrung empfehlen.
  5. Bei Garantiekabinen verzichten müssen: Wer eine Garantiekabine bucht, kennt die Seite ohnehin erst kurz vor der Reise – hier lässt sich die Sonnenseite nicht gezielt wählen.

Lohnt sich der Aufpreis für die „richtige" Seite überhaupt?

Bei den meisten Reedereien kostet eine Backbord- oder Steuerbordkabine derselben Kategorie exakt gleich viel – es gibt also in der Regel keinen Aufpreis, nur eine bewusste Auswahl beim Buchen. Der Unterschied lohnt sich vor allem auf Routen mit klarer Küstenlinie oder einheitlicher Fahrtrichtung über mehrere Tage, etwa entlang der norwegischen Küste oder auf Panamakanal-Passagen. Auf Kreuz- und Rundreisen mit häufig wechselndem Kurs, etwa im Mittelmeer, gleicht sich der Unterschied dagegen über die Reise meist aus – hier lohnt sich die Detailplanung weniger.

Fazit

Backbord ist links, Steuerbord ist rechts in Fahrtrichtung gesehen – ein jahrhundertealtes System, das an Bord bis heute für klare Kommunikation sorgt. Für deine Kabinenwahl lohnt sich ein zweiter Blick auf die Seite vor allem bei Routen mit durchgehender Küstenfahrt oder eindeutiger Fahrtrichtung, während es bei wechselhaften Rundreisen kaum einen spürbaren Unterschied macht. Wer sich zwischen den Kabinentypen ohnehin noch nicht sicher ist, findet in unserem Vergleich der Kabinentypen weitere Entscheidungshilfen für die Buchung.